Schon Hermann Scheers „Sonnenstrategie" präsentierte eine auf Solartechnologien basierende Energiepolitik als Ausweg aus dem drohenden Umweltdesaster. Und wie in der Analyse des sozialdemokratischen Vordenkers so sind auch für den Fernsehjournalisten Franz Alt die Widerstände gegen eine notwendige Energiewende nicht in ihrer technischen Machbarkeit, sondern in den herrschenden politischen Interessen, Konstellationen und im Lobbying der traditionellen Energiewirtschaft begründet. Derartige Widerstände gelte es freilich mittels Aufklärung und demokratischem Druck zu brechen. Denn eine Neuorientierung der gesamten Energiepolitik ist für den Autor die einzig sinnvolle von zwei Alternativen - eine Verschärfung des anthropogenen Treibhauseffektes und lebensbedrohende Veränderungen des Weltklimas die andere.

Dabei wird Alt nicht müde zu betonen, dass ein (gleichzeitig notwendiger) sparsamer und effizienter Energieeinsatz nicht zu Verzicht und Askese sondern letztlich zu mehr Lebensqualität und langfristigem Wohlstand führen würde. Ja jener Industrienation, die als erste die solare Revolution bewältigt. wird die Spitzenposition im künftigen Konkurrenzkampf der Wirtschaftsgiganten in Aussicht gestellt: ein unverhohlener Wink mit dem Zaunpfahl an die politischen Entscheidungsträger seines Landes im Superwahljahr '94. Auf vier Pfeilern soll das neue System der Energieerzeugung errichtet werden: im Zentrum steht die direkte Nutzung der Sonnenstrahlen durch Solaranlagen, eine Technik, die schon heute vielfach angewendet wird und bei entsprechender Massenproduktion auch weniger kostenintensiv wäre. Windkraftanlagen stellen eine weitere Facette im angestrebten “Energiemix" dar. Im Kapitel über Biomasse wird dann die aus einer früheren Publikation schon bekannte Forderung nach der Forcierung des Anbaus von Schilfgras eingemahnt, dessen mannigfaltige Anwendungsmöglichkeiten von der Stromerzeugung bis zum Treibstoff für Autos reichten. Dezentrale (Klein-)Wasserkraftwerke und solarer Wasserstoff ebnen in der vorliegenden Darstellung schließlich den Weg für eine Energiepolitik, die sich von Öl, Gas, Kohle und Uran losgesagt und mit der natürlichen Umwelt versöhnt hat. Die so eingeleitete "wirkliche industrielle Revolution" präsentiert sich als geradezu universale Problemlösung bedrängender Zukunftsfragen, deren Komplexität jedoch ausgeblendet bleibt. Seinen überaus zuversichtlichen Charakter bezieht das Buch aus der religiösen Schöpfungsethik seines Autors und dessen ungebrochenem Vertrauen auf wissenschaftlichen Fortschritt und technische Innovation.

G.S.

Alt, Franz: Die Sonne schickt uns keine Rechnung. Die Energiewende ist möglich.

München: Piper, 1994. 1605., DM 74,90/ sFr 13,60/ öS 176