Ausgangspunkt der Überlegungen zu einem weitumfassenden Ethos bildet die Paradoxie zwischen gefordertem ethisch-moralischen Universalismus einerseits und faktisch bestehendem Pluralismus andererseits. Im vorliegenden Band äußern sich dazu aus dem BI.ickwin.k.eld.er eigenen Disziplin Autoren aus Philosophie. Politikwissenschaft. Theologie. Pädagogik. Psychologie und Soziologie. Zunächst werden grundlagentheoretische Fragen dahingehend gestellt. ob der Mensch von seiner biophysischen Beschaffenheit her überhaupt in der Lage ist. ein universelles moralisches Bewußtsein auszubilden und dieses in die Praxis umzusetzen. Der Befund des Erziehungswissenschaftlers Micha Brumlik lautet, daß wir uns zwar in erster Linie gegenüber den Mitgliedern unserer "Ingroup" sozial verhalten. dies schließt aber ein solches Verhalten gegenüber anderen nicht grundsätzlich aus. Hinsichtlich der Universalisierung von Menschenrechten schreibt Rainer Döbert vom Wissenschaftszentrum Berlin, daß zwar nicht an eine lückenlose Kodifizierung positiver Menschenrechte zu denken ist. andererseits aber die negativen Menschenrechte (etwa die Nichtinterventionspflicht des Staates in Rechte seiner Bürger) durchaus zu verallgemeinern sind. Deshalb scheint ihm die Möglichkeit einer Welt-Moral mit dem Hinweis auf unüberbrückbare Differenzen zwischen verschiedenen moralischen "Kosmologien" nicht so einfach widerlegbar. Mit der praktischen Umsetzung und universeller Befolgung grundlegender Normen und Inhalte beschäftigt sich Otfried Höffe (Professor für Philosophie], der in seinen Überlegungen zu einem ökologischen Welt-Ethos eine entsprechende Rechtsordnung auf dem ethischen Fundament eines "ökologischen Eudämonismus" fordert. der die Kluft zwischen globalem Maßstab der Ethik und dem Erfordernis eines beschränkteren. bescheideneren Lebensstils schließen könnte. Skeptische Töne gegenüber dem Universalismus kommen von Klaus M. Meyer-Abich und vom Politikwissenschaftler Manfred Hättich. der zu bedenken gibt. das universale Verwirklichung der Menschenrechte nicht möglich ist, solange etwa Sanktionen gegen Staaten wegen Menschenrechtsverletzungen ihrerseits als Verletzung des völkerrechtlich anerkannten Prinzips der Nichteinmischung gelten. Insgesamt wird die Verwirklichung eines Welt-Ethos mit allgemein geltenden und sanktionierbaren rechtlichen und moralischen Normen eher skeptisch eingeschätzt. A. A.

Eine Welt - eine Moral? Eine kontroverse Debatte. Hrsg. v. Wilhelm Lütterfelds ...Darmstadt: Wiss. Buchges., 1997. 254 S.