„Dorferneuerung" -besser wären Begriffe wie "Orts-" oder "Gemeindeentwicklung" - ist ein sowohl hoffnungsvolles wie inzwischen auch überstrapaziertes Schlagwort für Neugestaltung und endogene Entwicklung im ländlichen Raum, "Dorferneuerung" steht für Kleinräumigkeit und eine ganzheitliche, sozial und ökologisch verträgliche und somit zukunftsweisende Entwicklung von "dörflichen" Lebens- und Wirtschaftsräumen. Das vorliegende Studienmaterial informiert über Theorie und Praxis der Dorferneuerung in Österreich: über Grundgedanken, über die "offizielle" Dorferneuerungspraxis der Bundesländer und über für die Praxis brauchbare Techniken (Organisation von Arbeitskreisen, Teamarbeit, Öffentlichkeitsarbeit usw.), Die beiden Bände beschränken sich jedoch nicht nur auf eine thematisch eng gefasste Darstellung, sondern bieten auch Beiträge aus der Erwachsenenbildung und der Kulturarbeit. Dabei ist jedoch anzumerken, dass deren Bedeutung in der Realität viel geringer ist, als' es hier den Anschein hat. Es wird auch nicht mit Kritik an der Praxis der "offiziellen" Dorferneuerung gespart: ihrer mangelnden politischen Offenheit, ihrer Beschränkung auf raumplanerisch-baulich-infrastrukturelle Maßnahmen, fehlenden Ansätzen der Motivierung und Aktivierung der Bevölkerung sowie zu geringen Bildungs- und Mitbestimmungsmaßnahmen : Ohne struktur- und regionalpolitische Weichenstellungen bleibt Dorferneuerung politische Kosmetik, Die Zukunftsrelevanz von „Dorferneuerung" als eine zukunftsweisende und lebenswerte Entwicklung "vor Ort" ist an der Behebung der angeführten Defizite zu messen, Es ist zu hoffen, dass das in diese Richtung wertvoll Impulse setzende Studienmaterial nicht allein in Bürgermeisterhände gerät. G. M

Dorferneuerung: Anregung zum Mitmachen. Selbststudienmaterial in 10 Bausteinen. Hrsg. v. Dieter Schoeller, 2 Bde. Innsbruck (u a.): Tyrolia-Verl., 1991. DM 76,40/ sFr 64,80 / öS 596