Abfall ist zum Begleiter einer Gesellschaft geworden, die noch viel mehr zu Müll gemacht hat, als das, was sich auf den überquellenden Deponien und in den Öfen der Verbrenner findet. Solidarität und Mitmenschlichkeit werden wieder und wieder von den Konsumresten unserer Übermut- und Überflußgesellschaft begraben. Der Wahnwitz des Wegwerfens, die Loreley des Recyclinggedankens, das Täuschen und Tarnen, das kriminelle Geschäftemachen lassen Abfallwirtschaft für uns fast schon gefährlicher werden als die schlimmen Altlasten. Viel Wissenswertes über Abfall, seine Mengen, seine Entstehung und Möglichkeiten zu seiner Vermeidung hat Bruno Natsch, Mitbegründer des „Müllforums Freiburg". in diesem Band zusammengetragen. Auch wenn deutschsprachige Länder wie die Schweiz oder Österreich allzu kurz kommen, wenn auch die vielen Grafiken zum Teil noch aussagekräftiger sind als der Text - der Band ist eine gute Ergänzung zur gegenwärtigen Fachliteratur, weil er aufsummiert, was in endlosen Artikeln oft versteckt bleibt. Verschlüsselt ist auch immer wieder die Ohnmacht im Text zu finden, mit der die zwingende Logik über die Folgen von Verschwendung und Verwüstung den Zwängen der Produktion und dem Drängen der Konsumation gegenübersteht. Klar und knapp ist das Wissen gebündelt und auch Wertung eingebracht, denn Abfall ist ebensowenig wertlos wie Abfallpolitik wertfrei sein darf. WH.

Natsch, Bruno: Gute Argumente Abfall. München: Beck, 1993. 148 S. (Becksche Reihe; 1006) DM 19,80 / sFr 16,80/ öS 154,50