Frank Jäkel

Die intelligente Täuschung

Ausgabe: 2026 | 3
Die intelligente Täuschung

Selbstständig zu denken bedeutet Macht über sich selbst und die eigene Umwelt zu haben. Das ist einer der Hauptgedanken, die Frank Jäkel in seinem Buch „Die intelligente Täuschung – Über die Fähigkeiten Künstlicher Intelligenz“ formuliert. Er nähert sich diesem Gedanken, indem er zeigt, dass KI-Systeme unsere Kompetenz zu denken und zu handeln untergraben oder beflügeln können. In welche Richtung diese Entwicklung aber ausschlägt, liegt an uns.

Angefangen bei einer Auseinandersetzung mit der Geschichte des Computers relativiert Jäkel die vermeintliche Neuheit von KI. Anhand der Forschung und Ideen von Wissenschaftler:innen wie Alan Turing oder Joseph Weizenbaum belegt Jäkel, dass wir schon im 20. Jahrhundert an KI-Systemen gearbeitet haben. Die Grundprinzipien einer menschenähnlichen Maschine lassen sich aber schon viel früher identifizieren. René Descartes machte sich im 17. Jahrhundert bereits Gedanken zu derartigen Konstrukten, obwohl sein damaliges Vorstellungsvermögen nicht an die heutigen technischen Möglichkeiten heranreichte. Descartes befand damals noch, dass Maschinen unmöglich universell einsetzbar sein würden oder zu Sprachverständnis fähig sein könnten. Ersteres ist aber eben mit dem Computer als universelle Hardware, die mit unterschiedlichen Programmen bestückt werden kann, Realität geworden. Letzteres lässt sich zumindest ansatzweise auch über große Sprachmodelle behaupten. Jäkel betont jedoch, dass diese keine echte Sprachkompetenz besitzen, sondern statistische Muster verarbeiten.

Maschinen sind immer noch am Menschen orientierte Werkzeuge und können laut ihm noch keine Aufgaben leisten, zu denen ein Mensch nicht theoretisch fähig wäre. Sie können uns aber unterstützen und unser Leben vereinfachen, weil sie in bestimmten Aufgaben besser und schneller sind als wir. Dieser Aufgabenbereich erweitert sich mit neuen Technologien wie KI. Jetzt sind es nicht mehr nur Kräne, die schwerere Lasten heben können als Menschen, sondern KI-gestützte Analysewerkzeuge, die konsistentere Diagnosen als Ärzte und Ärztinnen stellen können. Dabei ergibt sich aber ein klassisches Problem: Die Verantwortung für das Ergebnis unserer Arbeit verbleibt bei uns, solange wir über unser Werkzeug verfügen. Geben wir mit der zunehmend von KI durchdrungenen Arbeit aber gleichzeitig unsere Kompetenz ab, weil wir unsere Disziplinen verlernen? Jäkel bejaht diese Möglichkeit, betont aber, dass es an uns liegt, Entwicklung und Nutzung von KI so zu gestalten, dass sie nicht unser Wissen untergräbt, sondern uns zu neuen Herangehensweisen ermutigt. Dass das gelingen kann, lässt sich auch historisch belegen. Schließlich haben wir nicht aufgehört, Mathematik zu lernen, als Taschenrechner universell verfügbar wurden.