Aufbruch ins Land “Digitalien". Ein wahrhaftiges "Computopia" zeichnet der Journalist Uwe Jean Heuser in seinem lesenswerten Buch. Der Einsatz von Personalcomputern im digitalen Netz werde das Wesen des Kapitalismus verändern. Wissen und Wissensarbeit werden zum wichtigsten Einsatzfaktor in der Wirtschaft und verdrängen die materiellen Faktoren Realkapital und Rohstoffe als entscheidende Impulse. Kleinheit, Spezialisierung und Differenzierung ersetzen das Massenparadigma auf der Ebene des Produkts, des Unternehmens und der Arbeit. Verkehrs- und Energieinfrastrukturen verlieren an Einfluß. Die ”Ideenökonomie" streift das starre Korsett von Zeit und Raum ab. Hunderte von Kleinunternehmen finden sich auf der lnfobahn zu "virtuellen Unternehmen" zusammen. Gleichzeitig werden aus Arbeitnehmern Selbständige. Der größte Arbeitgeber im Jahr 2000 wird nach Meinung des Gründers des Medienlabors am Massachusetts Institute of Technology, des amerikanischen Digitalgurus Nicholas Negroponte, das Selbst sein. Da die Informationsgesellschaft auf Dezentralisierung und Differenzierung fußt, zwei Prinzipien, die es schwer machen zentrale Kontrolle auszuüben, sieht Heuser die Gefahr von Orwells "big brother " schwinden. Dafür wird die homogene Struktur der nachindustriellen Gesellschaften in die tausend Arbeitswelten der Informationsgesellschaft zerfallen. Die digitale Revolution zerlegt das Gemeinwesen in seine unterschiedlichen Bestandteile. Soziale Sicherungssysteme und Organisationen werden obsolet. Heuser erteilt allerdings einem technischen Determinismus dergestalt, daß Technik unweigerlich die soziale Form einer Gesellschaft bestimmt, eine Absage. Seiner Meinung nach beinhalte die neue Technik auch Kapazitäten, um eine neue soziale Form zu gießen. Neue Formen von Gemeinschaft und Solidarität würden entstehen, wenn die sozialen Erfinder ähnlich viel Freiraum und eine ebenso offene Atmosphäre genössen, wie die Pioniere der digitalen Technologie. E. H.

Heuser, Uwe J.: Tausend Welten - Die Auflösung der Gesellschaft im digitalen Zeitalter. Berlin: Betlin-Verl., 1996.232S., DM/sFr 38,-/ÖS 277,-