Alexander Cooley, Alexander Dukalskis

Dictating the Agenda

Ausgabe: 2026 | 3
Dictating the Agenda

Wir warten noch immer auf die Rückkehr des Faschismus – dabei leben wir längst in einer Welt, in der sich autoritäre Logiken innerhalb demokratischer Systeme entfalten. Genau hier setzen Alexander Cooley und Alexander Dukalskis in „Dictating the Agenda“ an. Ihr Buch beschreibt keine plötzliche Systemverschiebung, sondern eine schleichende Transformation: Autoritäre Staaten nutzen internationale Institutionen, Normen und Diskurse, um liberale Ordnungen von innen heraus zu verschieben.

Diese Diagnose ist überzeugend – und anschlussfähig an Debatten über „illiberale Demokratien“. Besonders stark ist der Blick auf transnationale Dynamiken: Autoritäre Praktiken verbreiten sich nicht isoliert, sondern über institutionelle Räume und öffentliche Sichtbarkeit hinweg. Was funktioniert, wird beobachtet, adaptiert und reproduziert. Cooley und Dukalskis zeigen damit, wie sich autoritäre Einflussnahme „through existing international rules and institutions“ entfaltet – nicht gegen, sondern innerhalb der bestehenden Ordnung.

Gerade in dieser analytischen Stärke liegt jedoch eine Leerstelle. Denn in der Zusammenschau entsteht der Eindruck einer strategischen Kohärenz, die als koordinierte Einflussnahme gelesen werden kann – obwohl vieles ebenso gut als Form konvergenter Innovation erklärbar ist: als ein Prozess parallelen Lernens, in dem erfolgreiche Praktiken ohne zentrale Steuerung übernommen werden. Autoritarismus erscheint so schnell als abgestimmtes Projekt, wo möglicherweise gerade seine Anschlussfähigkeit den Ausschlag gibt.

Diese Unterscheidung ist nicht trivial. Wer aus ähnlichen Mustern vorschnell auf Koordination schließt, vereinfacht komplexe Dynamiken – und riskiert, politische Reaktionen auf falsche Annahmen zu gründen. „Dictating the Agenda“ macht sichtbar, wie sich autoritäre Praktiken global entfalten. Es bleibt jedoch offen, ob wir es mit einem gesteuerten Prozess zu tun haben – oder mit einer Logik, die sich schlicht deshalb durchsetzt, weil sie funktioniert und kopiert wird.

So bleibt ein ambivalenter Eindruck: ein kluges Buch, das wichtige Zusammenhänge sichtbar macht – und zugleich dazu zwingt, die eigene Interpretation dieser Zusammenhänge kritisch zu hinterfragen.