Jürgen Fuchs wie das Internet unsere Welt verändertJürgen Fuchs, Mitglied der Geschäftsleitung bei der CSC PLOENZKE AG und zuvor bei IBM Deutschland tätig, hat ein Buch geschrieben, das in erster Linie für Manager konzipiert ist, die bisher keine bis wenig Berührung mit dem Internet hatten und diesem womöglich eher skeptisch gegenüberstehen. Für diese Zielgruppe bietet es solide Basisinformationen. Jemand aber, der das Buch im Hinblick auf das liest, was der Untertitel zu verheißen scheint, wird enttäuscht sein. Man erfährt so gut wie nichts, was man als aufmerksamer Zeitungsleser nicht bereits wüsste. Die angesprochenen Veränderungen beschränken sich im Wesentlichen auf Wirtschaftsfragen. Es werden zwar Beispiele für Innovationen vorgebracht, aber dass das Internet die entscheidende informationstechnische Innovation seit der Erfindung des Buchdrucks und des Telefons ist, stellt wohl keine wirklich neue Erkenntnis dar.

Man muss wohl kein Zyniker sein, um Sätzen wie den folgenden mit Skepsis zu begegnen: „Internet schafft Transparenz in nie da gewesener Form. Es fordert und fördert die Renaissance der Grundwerte menschlicher Zusammenarbeit: Aufrichtigkeit, Glaubwürdigkeit, Vertrauen gegen Vertrauen.“ (S. 33). Braucht das Internet solche Apologien und nicht vielmehr kritische Analyse? Die mit dem Internet verbundenen Gefahren in bezug auf Datenschutz beispielsweise werden mit keinem Wort erwähnt.

Breiten Raum hingegen erhalten Überlegungen zu künfti-gen Entwicklungen innerhalb von Unternehmensstrukturen: hier könne und müsse das Internet helfen, Hierarchien abzubauen, denn das entscheidende Produktionsmittel sei nicht mehr materieller Natur, sondern das Wissen der Mitarbeiter. Die Zukunft liegt für den Autor in der Verbindung von New und Old Economy. Eine solche wäre Collaborative Commerce (C-Commerce), das ko-operative Handeln über Unternehmensgrenzen hinweg. Es bietet Chancen vor allem im Bereich der Logistk (Supply Chain Management), der „Build-to-order“–Fertigung und in „Net-Markets“. Den Schluss bildet wohl allzu optimistischer Ausblick: Eine durch ein hohes Bildungsniveau ausgelöste „Renaissance der Persönlichkeit“ stehe bevor, und der Computer könne dazu beitragen, vom Zwang zur Arbeit zu befreien. „Als große gesell-schaftliche Aufgabe gilt es, den Übergang zu bewältigen von einer „Vollbeschäftigung durch Arbeit“ zu sinnvollen Beschäftigungen im Privat- und Sozialbereich. (S. 208) Welch schöne Utopie! Wege zum Erreichen dieses hehren Ziels sucht man an dieser Stelle jedoch vergeblich. T. K.

Bei Amazon kaufenFuchs, Jürgen: Denk@nstöße. Wie das Internet unsere Welt verändert. Frankfurt/M.: F.A.Z., 2001. 228 S., € 36,- / DM/sFr 72,- / öS 526,-