1989 wollen sich vier Frauen und vier Männer in einem Glashaus für zwei  Jahre einschließen lassen. Das Projekt "Biosphäre II" ist eine künstlich nachgebaute Erde - samt Wüste, Regenwald und einem kleinen Ozean. Einziger Energieträger für das sich selbst erhaltende Energiesystem wird die Sonne sein. Das Experiment soll nicht nur zum besseren Verständnis der Erde beitragen, sondern auch Anhaltspunkte für das Überleben bei Umweltkatastrophen geben oder zur Vorbereitung auf längere Raumflüge dienen.

"Biosphäre II''' wird mit 6000 Glasplatten luftdicht abgeschlossen. Im Inneren werden optimale Bedingungen für Nutzpflanzen und -tiere geschaffen werden. Der Beitrag geht detailliert auf die geplante Zusammenstellung des Ökosystems ein. Gewebebanken sollen etwa Ausfälle in den Kulturen während der Projektphase verhindern.

Hauptfinanzier ist der Sohn eines texanischen Ölmilliardärs. Es wurden 30 Millionen Dollar für sieben Jahre in "Space Biospheres Ventures" (SBV) investiert - nicht nur aus Spaß an neuen Ideen und aus Liebe zur Umwelt, sondern in Erwartung guter Gewinne. Man erwartet neue Pflanzensorten, Know-how bei Luft- und Wasserreinigung sowie den Verkauf kleiner Modelle von "Biosphäre II" an die NASA oder ESA.

Seit Beginn der Bauphase werden aber auch die unterschiedlichsten Kritiken laut. Ob der Ozean und die Anbauflächen nicht zu klein sind, um das Klima zu stabilisieren bzw. die Biosphärianer zu ernähren sowie den unkontrollierbaren Anstieg des Kohlendioxid-Gehalts zu verhindern, wird das Experiment zeigen. Die Kritik, das Projekt diene der Vorbereitung auf einen möglichen Atomkrieg, wird insofern entkräftet, als im nuklearen Winter die Sonne als Energielieferant größtenteils ausscheidet. Ein Ziel des Arche-Noah-Projekts ist es, die Überlebenschancen auf anderen Planeten zu testen.

Bei aller Faszination dieses Unternehmens bleiben viele Fragen offen. Eine betrifft die Kosten-Nutzen-Relation sowie die soziale Relevanz derartiger Planungen.

Kobbe, Bruni: Die neue Arche Noah. Überlebensexperiment im Glashaus. In: bild der wissenschaft. 25. Jg. (1988), Nr. 8, S. 36-45.