Der Autor geht von der Hoffnung aus, dass die Katastrophen der Gegenwart vielleicht nicht das letzte Wort über Afrika sind. Bei aller Kritik an westlicher Entwicklungshilfe und an Afrikas Eliten gibt er Anstöße, Anregungen, Interpretationen und Thesen über den Kontinent. Die Hungersnot von 1985, die durch den Bürgerkrieg in Eritrea und Tigre (Äthiopien) noch eine politische Dimension erhielt, war beispielsweise nur Symptom einer langfristigen ökologischen Krise. Die erneute Dürre in der Sahelzone zeigt, dass aus dem Jahr 1973 keine Konsequenzen gezogen wurde. Die exportorientierte Produktion (Baumwolle, Erdnüsse) und traditionelle Anbaumethoden machen den Unterhalt für die überproportional wachsenden Städte so gut wie aussichtslos. Deshalb bewertet Banziger den Nahrungsmittelmangel Afrikas als »städtisches Defizit«, das in dem Maße wächst, wie die Städte wachsen. Es gibt aber auch positive Ansätze wie in Niger, wo durch den Bau von kleinen Dämmen und intelligent gelenkter staatlicher Verteilung Wesentliches im Kampf gegen den Hunger erreicht werden konnte. Dass solche Erfolge nicht überall erzielt werden, liegt nicht zuletzt am Misstrauen von Regierungen (Algerien) und dem Unverständnis von Entwicklungsexperten, die nur selten Zusammenhänge zu sehen vermögen. Die Nomaden sind aus diesen Gründen vom drohenden Zusammenbruch des Ökosystems besonders betroffen. Weiters geht Bänziger davon aus, dass die »real existierende« Entwicklungshilfe mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Er spricht von der »fetten Präsenz- der weißen Experten und von »Hilfe zur Selbsthilfe« für die Geberländer. »Ein Programm zur Sanierung der Entwicklungshilfe müsste weniger Geld, mehr Geduld verordnen.« Systemerhaltende westliche Bildung, konservatives Christentum und die Macht der Staatsklasse sind weitere ungelöste Probleme des Kontinents. Afrikas Politiker, deren Aufgabe es wäre, sich der beängstigenden Nöte anzunehmen, bemühen sich eher um die Mehrung von eigener Macht und Reichtum. Am Beispiel Uganda zeigt Bänziger, wie Politiker immer wieder traditionelle Loyalitäten wie das Stammesbewusstsein für ihre Zwecke mobilisieren.   

Wer einmal in Afrika war, der lernt den Autor als fundierten Kenner dieses Kontinents kennen. Da sich über Afrika keine allgemeingültigen Aussagen machen lassen, versteht Bänziger seine Bewertungen und Interpretationen als Diskussionsgrundlage. Zurecht gibt er sich hoffnungslos, gibt aber trotzdem die Hoffnung nicht auf.

Bänziger, Andreas: Die Saat der Dürre. Afrika in den achtziger Jahren. Bornheim-Merten: Lamuv-Verl., 1986. 224S. Bornheim-Merten: Lamuv-Verl., 1986. 2245.