Was im Erfolgstitel "Global Paradox" (1994) angedeutet wurde - Naisbitt spricht darin bereits vom nahenden "Asiatischen Jahrhundert" -, wird nun umfangreich auf knapp 500 Seiten gewürdigt. Der renommierte Trendforscher erachtet das, "was gegenwärtig in Asien passiert, als die bei weitem wichtigste Entwicklung unserer Zeit". In diesem Sinne macht er sich überaus kenntnisreich - sein erster, einjähriger Asienaufenthalt datiert aus dem Jahr 1967 - und in leicht lesbarem Stil daran, diese Behauptung zu untermauern. Die einzelnen Kapitel beschreiben die acht Haupttrends, die Asien verändern werden:

  1. Die dominante Rolle wird in Zukunft China und nicht Japan, v. a. aber das Clan-Netzwerk der Auslandschinesen spielen.
  2. Der asiatische Binnenmarkt wird eine zunehmend bedeutende Rolle einnehmen, weil zum einen die Hälfte der asiatischen Bevölkerung gegenwärtig jünger als 25 Jahre ist und zum anderen sich eine neue, kaufkräftige urbane Mittelschicht herausbildet.
  3. Die Modernisierung Asiens sieht Naisbitt als entscheidende Entwicklung der Jahrtausendwende.
  4. Zunehmend wird die freie Marktwirtschaft Platz greifen.
  5. Die Abwanderung aus den ländlichen Regionen in Megacitys hat schon voll eingesetzt, bereits in den nächsten 15 Jahren wird es auf dem Kontinent 30 Städte mit mehr als 5 Mio. Einwohnern geben.
  6. Die menschliche Arbeitskraft wird von Hochtechnologie abgelöst, und man versucht, "mit Forschung und Innovation das traditionelle Industriezeitalter so rasch als möglich zu überspringen".
  7. Zunehmend wird auch den asiatischen Frauen eine aktive Rolle in allen Lebensbereichen zugesprochen. Naisbitt weist darauf hin, daß bereits jetzt 25 % der Selbständigen in China Frauen sind. Und schließlich wird,
  8. eine “Asianisierung der Welt" nicht aufzuhalten sein.

Um in Fernost zu punkten, scheint jedes Mittel recht; allein das Marktpotential von knapp drei Milliarden Menschen und teils zweistellige Zuwachsraten in Wirtschaftswachstum, Volkseinkommen und Produktionsentwicklung, von denen man sich im Westen längst verabschiedet hat. läßt jedes Unternehmerherz höherschlagen. Schnell vergessen sind da Bedenken wie Menschenrechte, europäische Umweltauflagen, gar nicht zu reden von den Grenzen des Wachstums und des schrankenlosen Kapitalismus. A.A. 

Naisbitt, John: Megatrends Asien. Acht Megatrends, die unsere Welt verändern. Wien: Signum-Verl., 1995.447 S.