Eine sinn- und aussichtslose Verfolgungsjagd steht im Mittelpunkt dieses Romans. Der Autor führt durch eine bizarre, dem Untergang geweihte Welt. Vor dieser Kulisse wird der Leser Mitwisser eines seltsamen Liebesverhältnisses zwischen Filomena, der Tochter eines Imbißbudenbesitzers, und einem Individuum namens Grün. Das Paar flüchtet vor dem Vater Filomenas und einem Polizisten. Die Zukunft der jungen Liebe ist aber auch durch andere feindselige Einflüsse gefährdet. Die von Grün gezüchteten Holzwürmer entkommen aus ihrem "Karton-Gefängnis" und fressen sich durch das Konstrukt der Welt. "Weißt du", sagt sie (Filomena) einmal zu Grün, "wenn man sich die Zukunft vorstellt, ist es immer ein sauber gefegtes Zimmer, aber wenn man angekommen ist, ist doch alles voller Dreck und Müll." Das wäre aber für diese Geschichte zu wenig und zu harmlos. Die für Antiquitäten gezüchteten Holzwürmer bringen nämlich nicht weniger als den Globus zum Einsturz. Die Flucht des Liebespaares vor allen Gefährlichkeiten der Welt zeichnet Gerlach überaus symbolträchtig. Es Ist von Vertraulichkeiten einer Wirtshausgardine ebenso die Rede wie von einem Raumschiff in Form einer Tafel Schokolade. Das Ende der Welt beginnt dann mit einem riesigen Autostau.

Gerlachs Geschichte ist nicht nur grotesk-spannend, sondern auch amüsant. Unverhohlene Gegenwartskritik wird mit unterschiedlichen Genres wie Drehbuch und literarischem Essay transportiert. Der Autor verblüfft nicht nur mit gelungenen Metaphern, sondern hält auch überraschende Wendungen bereit. So heißt es am Schluß: Der Geistesgegenwart eines unbekannten Kameramannes des Satelliten-Fernsehens und weiteren unergründlichen Umständen verdanken wir eine Kassette mit erregenden Aufnahmen, deretwegen dieser Weltuntergang später als einer der schönsten in die Geschichte des Universums einging." Ein besonderer Trost immerhin.

Gerlach, Gunter: Katastrophe wunderbar. Nördlingen: Greno, 1988. 1555. DM 24,-/sfr 20,35/ö5 187,20