Mit diesem Buch wird erstmals eine umfassende Umweltanalyse Österreichs vorgestellt. Sie verheißt, wie wohl nicht anders zu erwarten, nur wenig Gutes: Was dreizehn Autoren, jeweils Fachleute ihres Gebiets, zu Themenbereichen wie beispielsweise Luft, Lärm und Wasser, Energie, Landwirtschaft oder Wald zu sagen ·haben, mag vereinzelt schon bekannt gewesen sein. Indem hier jedoch der Versuch einer interdisziplinären Verknüpfung vorgenommen und so der Leser unmittelbar zur Zusammenschau angeregt wird, liegt ein unwiderlegbares Sündenregister österreichischer Politik vor. Wie eine kritische Durchsicht der fachlich fundierten, aber doch allgemein verständlich formulierten (und überdies durch Bilderund Graphiken ansprechend aufbereiteten) Beiträge zeigt, geht es nicht darum, einen Verursacher zu bestimmen und diesem die Schuld an aller Misere zuzuschreiben. Und doch kann, wie Paul Blau in seine'm resümierenden Beitrag über »Die blinden Eliten- überzeugend darstellt, das etablierte Bündnis von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft für manche Fehlentwicklung verantwortlich gemacht werden. Der verhängnisvolle Aufbau und die gegenseitige Verfilzung des »wissenschaftlich-militärisch-industriell-bürokratischen Komplexes- hat nicht nur Österreich, sondern die gesamte Industriegesellschaft in eine schwere Krise gestürzt. Einen Ausweg aus dieser globalen Bedrohung kann es nur geben, wenn langfristige Allgemeininteressen gegenüber kurzfristigen Gruppeninteressen als solche erkannt und durchgesetzt werden. Zwar sieht Blau, vor allem im Rückblick auf die historische Entwicklung der traditionellen Parteien gewisse Chancen für einen möglichen Gesinnungswandel. Entscheidend dazu beitragen könnte eine grüne Partei, auch wenn diese heute noch weit entfernt von politischer Reife ist. Mit einer ökologischen Politik unvereinbar ist uneingeschränktes Wirtschaftswachstum, die Gleichsetzung von Quantität und Qualität wie auch die Praxis, politische Entscheidungen durch sogenannte Sachzwänge zu begründen. Solange konsequente Umweltpolitik durch halbherzige Umweltindustrie ersetzt; die Fortschreibung aktueller Tendenzen unter dem Deckmantel ernstzunehmender Zukunftsplanung (auf Expertengrundlage) betreiben, wo letztlich Politik losgelöst von Ethik und Gefühl gemacht wird, ist eine Besserung unserer Situation nicht zu erwarten.  

Derzeit stehen in Österreich pro Jahr 17 Milliarden Schilling für den Erhalt und Ausbau des Straßennetzes, dieselbe Summe für das Bundesheer, neun Milliarden Schilling für Gendarmerie und Polizei, aber nur eine Milliarde für den Umweltschutzfonds (tatsächlich ausgegeben wurden von 1983-1986 nur 720 Millionen!) zur Verfügung. Ein in Zahlen gegossener Beleg falsch verstandener Sicherheit als Indiz für die Wertigkeit gegenwärtiger Politik.

Umweltreport Österreich. Hrsg. v. Werner Katzmann und Heinrich Schrom. Unter Mitarbeit von Paul Blau, Gerhard Frauenwieser, Bernd Lötsch, Peter Weish u.v.a. Wien: Kremayr & Scheriau, 1986, 390 S.