Der Bestseller-Autor untersucht diesmal ein fast unerschöpfliches Thema, denn der Ängste gibt es viele wie z. B. Todes-, Kriegs-, Trennungs-, Beschämungs-, Fremden-, Welt- oder Zukunftsangst. Als Psychotherapeut stellt Richter die Frage, wann und wie Angst entsteht, welche Formen sie ausprägt und wie sie sich im Leben des einzelnen und der Gesellschaft auswirkt. Kann angesichts kollektiver Gefährdungspotentiale wie Krieg, Sekten, Gentechnologie, Ozonloch oder Wiedervereinigung ein "Umgang mit Angst" gelingen? Richter meint ja, man müsse dies nur üben. Er selbst hält sich für einen jener "Besorgten", denen dies gelingt und präsentiert sich in Aktion bei Gorbatschow, im State Department oder bei Helmut Schmidt und ergänzt dieses Engagement durch Beispiele aus seiner Praxis. Vehement prangert er das weit verbreitete technizistische Denken und die" Okay-Moral" der Wohlstandskultur an, in der eine „angepasste Privilegiertenschicht in beständiger Abwehr ihrer Sorgen und Zweifel lebt" . Nicht etwa die Kriegsangst, sondern ihre heroisierend verklärte Verdrängung gehört auf die Couch. Konstruktive Vorschläge unterbreitet Richter, etwa wenn es um den Umgang mit kindlicher Zukunftsangst oder die Weiterentwicklung der repräsentativen Demokratie durch Rehabilitation der Sensibilität geht, um Angst wiederum zuzulassen. Richter bietet wenig Neues, zitiert sich oft und trägt die Sorgen seiner Patienten, Gedanken seiner Lieblingsphilosophen und andere Weisheiten zu Markte. Dennoch ist und bleibt er unermüdlicher Mahner und Kritiker des "Stärkekults als Lebensprinzip", der "machttragenden Beschwichtiger, Verharmloser" und der Unbesorgten. Alfred Auer

Richter, Horst-Eberhard: Umgang mit Angst. Hamburg: Hoffmann u. Campe, 1992.317 S., DM 38,-/ sFr 32,20/ öS 296,40