Mit dem Anspruch, dem Für und Wider der Technologiedebatte vorbehaltlos zu begegnen und an empirischem Datenmaterial zu überprüfen, "was wirklich belegbar, aber auch was unentschieden und offen ist", setzen die beiden Autoren hohe Erwartungen.

Ausgehend von einer kurzen Einführung in die Strukturmerkmale und Funktionsweise des Computers werden Vorteile und Grenzen des Mediums benannt. Der universalen Offenheit steht gegenüber, daß das Bild der Wirklichkeit, zu einem mathematischen Modell verkürzt, stets nur ausschnitthaft und scheinbar stringent ist, während sich die "wirkliche Welt offen, unklar und in Entwicklung" präsentiert. Daraus leiten die Verfasser den grundsätzlichen Vorrang menschlicher Verantwortung vor künstlicher Intelligenz ab und warnen davor, Entscheidungsprozesse im Einsatz und Umgang mit dem Computer auf Expertenebene zu begrenzen.

Wie unterschiedlich, widersprüchlich und teils diffus die Argumentation um die Vor- und Nachteile der EDV im Arbeitsbereich ist, wird an ausgewählter Literatur und statistischem Material belegt. Den Verfechtern der Entfremdungs- und Freisetzungsthese wird vorgehalten, "die Dialektik realer Prozesse zu verschleiern" sowie Handlungschancen und Veränderungspotentiale außer acht zu lassen. Den technokratischen Fortschrittseuphoristen wird andererseits nachgewiesen, daß sich die Hoffnung auf eine "lange Welle" wirtschaftlichen Wachstums durch den Einsatz der Mikroelektronik nicht erfüllt hat. Dagegen favorisieren die Autoren eine strukturelle Betrachtungsweise, "welche Technik als Aspekt gesellschaftlicher Arbeit begreift, als Resultat und Instrument zugleich". Da die Autoren "zwangsläufige Folgen des Einsatzes von Technik" ausschließen, definieren sie die Zunahme der Arbeitslosigkeit als politischen Steuerungsdefekt.

Im Anschluß an eine Skizze der „Informationellen Lebenswelt", die v. a. durch die (theoretische) Ausweitung persönlicher Zeitsouveränität gekennzeichnet ist, wird das Konzept einer polytechnischen Bildung entwickelt. Wenn arbeitsplatzbezogene Qualifikation und soziale Kompetenz zugleich mit dem Verständnis für die historische Gewordenheit der Technik vermittelt werden, kann Bildung im Sinne der Aufklärung tatsächlich die "Fähigkeit zur Mündigkeit" bedeuten. Dabei wird nicht vergessen, "daß sich auf die Quellen möglicher konkreter Utopie der besondere Argwohn und die Kontrolle der Herrschaftsapparate richte(n). "

Eine gut lesbare Einführung in die Thematik, die Sachlichkeit wie Engagement auszeichnet und die vor allem durch eine Fülle empirischer Daten eine wertvolle Argumentationshilfe bietet. Einzig die These von der Neutralität der (Computer-) Technologie gibt Anlaß zum Widerspruch.

Faulstich, Peter; Faulstich-Wieland, Hannelore: Computer-Kultur. Erwartungen - Ängste - Handlungsspielräume. München: Lexika-Verl., 1988. 166S. . DM 36,-/ sfr 30,50 / öS 280,80