Ein Begriff hat Hochkonjunktur in der Umweltpolitik: Sustainable Development, mehr oder weniger treffend eingedeutscht zu "nachhaltige" bzw. "dauerhafte Entwicklung". Populär wurde er durch den Brundtland-Bericht im Jahr 1987, schon im ersten Beitrag wird aber gezeigt, daß sich ähnliche Konzepte bereits bei den Klassikern der Ökonomie finden. Die von den Ökonomen in der Folge vorgenommene Einbeziehung der Umwelt in ihre Theorien wird als unzulänglich abgelehnt: Die Annahmen über die Rolle des Staates sowie über Konsumenten- und Produzentenverhalten seien zu rigide, institutionelle Fragen würden zu wenig beachtet. In drei Beiträgen wird anhand der niederländischen Umweltpolitik zur Bekämpfung des sauren Regens sowie der Regulierung des Einsatzes von Pestiziden und Düngemitteln gezeigt, wie Verkehrs-, Wirtschafts- und Landwirtschaftsminister den Einfluß des Umweltministers systematisch beschneiden. Umweltschutzgruppen können eine effektiviere Durchsetzung von Umweltinteressen bewirken: Michael D. Everett analysiert, unter welchen Bedingungen sich Umweltschutzgruppen formieren können und welchen langfristigen Einfluß sie ausüben. Die Möglichkeiten und das Ausmaß der Verringerung von Emissionen in die Luft durch neue Umwelttechnologien skizziert Gerhard Angerer. Das Potential ist erheblich, im Vergleich zu den Werten von 1986 wären in Deutschland die Schwermetallemissionen um bis zu 80% zu reduzieren. Erhebliche Forschungsanstrengungen sind dazu aber notwen.dig, und drastische Preisanreize wären zu setzen (wie auch Udo E. Simonis bekräftigt). Unter welchen Bedingungen dauerhafte Entwicklung mit dem Verbrauch von nichterneuerbaren Ressourcen vereinbar ist, zeigen James Baines und John Peet. Vier weitere Aufsätze befassen sich schließlich mit der internationalen Dimension der Umweltpolitik (u.a. Regenwald- und Klimaproblematik). Daß dabei internationalen Institutionen eine bedeutende Rolle zufallen kann, ist offensichtlich. Interessant ist dazu der Vorschlag von Jonathan M. Harris, eine künftige Weltwirtschaftsordnung auf der Grundlage eines "grünen Keynesianismus" zu errichten. Insgesamt bietet das Buch einen gelungenen Überblick über das Konzept der "Sustainable Development" und seine möglichen wirtschaftspolitischen Implikationen. W Sch.

Sustainability and Environmental Policy. Restraints and Advances. Hrsg. v. Frank Dietz ... Berlln: Ed. Sigma, 1992.2955., DM 36,- / sFr 30,50/ öS 280,80