Der Euro, so scheint es, ist nach den bisherigen Befunden kaum zu retten. Für den Finanzexperten Max Otte ist die Euro-Krise ohnehin ein riesiger Etikettenschwindel. Es geht dabei seiner Ansicht nach weder um den Euro noch um Europa. „Es profitieren allein die Banken, die sich diesmal mit griechischen Anleihen verzockt haben.“ (Interview v. 8.7.2011 auf Focus-online) Die Gewinner, so der Ökonom und Fondsmanager, sind einzig und allein die Investmentbanken und Superreichen als größte Geldgeber Griechenlands. Und der Autor wundert sich nicht, dass die Politiker nichts unternehmen, dem Spiel Einhalt zu gebieten, fordert aber, dass zumindest die Steuerzahler sich wehren sollten. Um dies zu befördern, hat er eine Streitschrift verfasst, die keine Wünsche offen lässt, zumindest, was die Kritik an der gegenwärtigen Misere anbelangt. Das Argument, dass im Falle Griechenlands diesmal auch private Gläubiger einen Beitrag leisten sollen, begegnet der Autor im Interview mit Sarkasmus: „Private Gläubiger sind Banken und Finanzdienstleister – allen voran griechische Banken. Diese sind oft in der Hand griechischer Milliardäre und Oligarchen. Das sind die Akteure, die wir ‚retten‘. Und freiwillig werden die nicht auf ihr Geld verzichten.“ (ebenda) Die Rettungspakete retten also nur die Reichen und lenken von Amerika ab, das noch viel größere Probleme hat, so der Befund Ottes.

 

 

 

Schuldenschnitt als Lösung

 

Als Rechtfertigung für immer neue Rettungspakete wird von Politikern und Experten immer wieder das Horrorszenario eines Flächenbrandes an die Wand gemalt und behauptet, eine Pleite würde auf andere Länder übergreifen. Letztlich zögern aber diese Rettungspakete, so der Autor, die Pleite nur hinaus und führen dazu, dass die Schuldenspirale sich immer weiter dreht. Um hier gegenzusteuern, wären eine Insolvenzordnung und ein Schuldenschnitt erforderlich, meint Otte, um  eine geordnete Staatsinsolvenz zu ermöglichen. Nur so käme Griechenland von seinem riesigen Schuldenberg herunter und hätte wieder Luft zum Atmen.

 

 

 

Neue Regeln für das Finanzsystem

 

Nach Otte könnten fünf einfache Regelwerke und Reformen das Finanzsystem deutlich gerechter und stabiler machen:

 

1) Feste Mindesteigenkapitalanforderungen für alle Finanzakteure.

 

2) Größenbegrenzungen für Finanzdienstleister würden deren Marktmacht begrenzen.

 

3) Die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking und damit die Verhinderung der Spekulation der Banken mit Einlagen ihrer Privat- und Geschäftskunden.

 

4) Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer.

 

5) Die Gründung einer staatlichen europäischen Rating-Agentur.

 

Bisher gibt es zwar Überlegungen zur Einführung einer Transaktionssteuer, eine Umsetzung ist aber nicht in Sicht, den Überlegungen für eine eigene europäische Rating-Agentur wurde längst eine Absage erteilt. Letztlich gehe es für die europäischen Staaten darum, sich aus der Umklammerung der Finanzoligarchie zu befreien und die Währung nachhaltig zu stabilisieren, so Otte. A. A.

 

 

 

Otte, Max: Stoppt das Euro-Desaster! Berlin: Ullstein, 2011. 47 S., € 3,99 [D], 4,20 [A], sFr 5,60

 

ISBN 978-3-550-08896-4