Wie sich die Medienarbeit in Zeiten von Social Media verändert, beschreibt Marcel Bernet, Inhaber einer PR-Agentur, zunächst anhand von Zahlen: Anfang 2010 wurden wöchentlich 3,5 Milliarden Nachrichten, Links oder Videos auf Facebook geladen oder täglich 25 Millionen Kurznachrichten über Twitter abgesetzt. Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, deren Ende nicht abzusehen ist. Fest scheint allenfalls zu stehen, dass Papier bald das letzte Medium sein wird, das Privatheit garantiert, ohne dass jemand mitliest, der weiß, wo ich gerade bin und vorschlägt, was ich noch kaufen könnte (Frank Schirrmacher, zit . nach M. Bernet S. 7)

 

Fest steht für den PR-Experten, dass die Grenzen zwischen den Inhalten von Bloggern, Meinungsmachern, Freundeskreisen und klassischen Medien immer mehr verschwimmen. Der Autor spricht von drei schwarzen Löchern, die derzeit im Kontext von Social Media überaus anziehend wirken: 1. Was bei Google nicht auf der ersten Seite erscheint, existiert nicht. 2. Immer mehr Nutzer bleiben immer länger auf „dem großen blauen Sofa von Facebook sitzen und 3. bastelt Apple an integrierten Geräte-Plattformen mit iTunes, iBooks und App-Stores. (Auf App-Store.de findet man solche Angebote für das iPhone und den iPod.)

 

Zielgruppenwerbung

 

Aus PR-Sicht biete das Mitmach-Web all jenen Chancen, die Inhalte auf die Bedürfnisse von Zielgruppen zuschneiden. Das erfordert allerdings, so Bernet, multimediale Inhalte auf verschiedenen Plattformen, einen hohen zeitlichen Einsatz und nicht zuletzt Durchhaltewillen (vgl. S. 167). Schließlich erhöht „die zusätzliche Platzierung von Inhalten in Sozialen Netzwerken, Microblogs und weiteren Social Media Plattformen (…) die Sichtbarkeit der Inhalte und bietet neue Anknüpfungspunkte“ (S. 114). Der Autor warnt aber vor allzuviel Euphorie, denn wer länger im Sozialen Netzwerk unterwegs ist, ärgert sich bald über zu viele Einträge, unübersichtliche Blogposts u. a. Da gilt es, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren und Dialoge durchaus auch einmal unkommentiert zu verfolgen.

 

Letztlich aber werde, so der Autor, Social-Media-Kompetenz in etwa fünf Jahren etwas sein, das ganz einfach zum Handwerk der Medienarbeit zählt – wie die Arbeit mit E-Mail und Suchmaschinen. (S. 166) Im Anhang sind auf 18 Seiten Quellen, ein Glossar und Links sowie ein detaillierter Leitfaden für das Aufsetzen eines Corporate Blog (www.bernet.ch/checklisten) zu finden. Insgesamt bietet der Band wertvolle Orientierung, basierend auf der Erfahrung von 20 Jahren Online-Kommunikation.

 

Bernet, Marcel: Social Media in der Medienarbeit. Online PR im Zeitalter von Google, Facebook & Co. Wiesbaden: VS-Verl., 2010. 198 S., € 24,95 [D], 25,70 [A], sFr 37,90 ; ISBN 978-3-53117296-5