Ist Facebook ein Ort, wo man sich zu Revolutionen verabredet? Was in Tunesien und in Ägypten begann, breitet sich nun in den arabischen Staaten weiter aus. Viele der zumeist jungen Menschen haben sich via Facebook und Twitter getroffen, haben Informationen ausgetauscht, Nachrichten an die Außenwelt geschickt und ihre Demonstrationen organisiert. Auch die kurzfristige Stillegung der Internetverbindungen konnte die Macht der sozialen Netzwerke und die Teilhabe der Weltöffentlichkeit am Geschehen in Echtzeit nicht verhindern. Auch wenn vielleicht die Bedeutung von Facebook, Twitter und Co für das Entstehen und den Verlauf der Proteste in Ägypten etwas überschätzt wird, so ist doch eines klar geworden: Digitale Kommunikationstechniken wie Handys, Internet und soziale Netzwerke spielen im politischen Leben eine immer größere Rolle (vgl. „Die Facebook-Revolution“ auf www.netzwelt.de). Aber auch Wikis, Weblogs, Chatrooms, elektronische Gästebücher, Tauschbörsen, Instant Messengers oder XING (webbasierte Plattform vorrangig für geschäftliche Kontakte) erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Alfred Auer gibt einen Überblick über ausgewählte Web2.0-Anwendungen.

 

 

 

Gemeinsam einsam

 

Zur Einstimmung auf das Thema eignet sich besonders der Kurzfilm „Google Epic 2015“ (auf deutsch), der in 8:57 Minuten die Entstehung der Firmen Google, Amazon und MSN erklärt und eine mögliche Weiterentwicklung über „Googlezon“ (Fusion von Google und Amazon) bis hin zu „GoogleEPIC“ und den damit verbundenen Möglichkeiten der Mitwirkung zeigt. (YouTube: Google Epic 2015*german*).

 

Über Google können wir auf das Wissen der Welt zugreifen. Facebook hält uns ständig in Kontakt mit unseren Freunden. Twitter verbreitet Nachrichten fast schneller, als wir sie tippen können. Google & Co vereinfachen unser Leben und wir können an allen möglichen Orten gleichzeitig sein. „Wir sind im Urlaub und doch im Büro, sitzen am Arbeitsplatz und pflegen unsere Facebook-Freundschaften“, so Carsten Göring über  die Ambivalenz der Neuen Medien (S. 9). Diese so genannten Plattformen machen aber auch unser Privatleben öffentlich und verdienen damit Milliarden. Jedenfalls beeinflussen sie unser Leben fundamental und trotzdem begreifen wir nur einen Bruchteil des Wandels, der gerade um uns herum passiert. Es gibt Stimmen, die meinen, dass die Menschheit für die Technologie, die ihr heute zur Verfügung steht, noch gar nicht bereit sei (vgl. S. 185).

 

 

 

Google, Facebook & Co.

 

Was aber steckt hinter den Unternehmen und welches Risiko gehen wir ein, wenn wir online unsere intimsten Daten preisgeben. Görig, Experte für Neue Medien, Computer und Techniktrends, liefert eine Zusammenschau der Internet-Giganten und informiert über Risiken und Nebenwirkungen. Grundsätzlich machen die Unternehmen das, was sie machen, um Geld zu verdienen und nicht, um uns eine Freude zu bereiten. Daran ist nichts verkehrt, so lange transparent bleibt, welche Daten gesammelt, wie diese ausgewertet und welche Schlüsse daraus gezogen werden. Der Autor, für den das „freie Internet schon immer eine Illusion“ (S. 11) war, teilt mit uns die Sorgen darüber, „dass wichtige Teile des menschlichen Wissens, der menschlichen Kommunikation, in die Hände von Konzernen übergehen, die sich kaum kontrollieren lassen, die unsere Daten, unser Tun und Handeln und unsere Kreativität für ihre kommerziellen Zwecke nutzen und vor allem: Die Macht haben, sie zu zensieren, zu beschränken.“ („Google ist eine Art ausgelagertes Gehirn“. Carsten Görig im Interview mit Reto Knobel in: Basler Zeitung v. 25.1.2011) In diesem Gespräch meint Görig auch, dass der Normalnutzer der Macht von Facebook, Apple und Co nichts entgegensetzen könne. Im Netz, wo der Austausch von Daten, Informationen und Meinungen immer schneller abläuft, gibt es immer weniger Filter für Wichtiges und Unwichtiges. „Desto weniger Zeit gibt es dafür, sich einfach mal kurz zurückzuziehen und nachzudenken.“ (S. 187) Sich Zeit zu nehmen, so der Autor in weiser Voraussicht, wird in Zukunft nicht einfacher werden, weil die nächste Technikgeneration bereits im Anmarsch ist: „Mit Mobilgeräten und Cloud Computing soll das Netz überall verfügbar sein. Von überall aus soll gearbeitet werden können, sollen wir ständig online sein und das der Welt im Internet zeigen.“ (S. 187)

 

 

 

Die Zukunft hat schon begonnen

 

Die „Wolke“ (Cloud) ist der nächste logische Schritt der Computerisierung und wird verglichen mit der Einführung des Stromnetzes, „als die Elektrizität auf einmal nicht mehr aus dem eigenen kleinen Kraftwerk, aus dem Generator kam, sondern aus der Steckdose“ (S. 179). Cloud Computing bedeutet, dass die Daten nicht mehr bei demjenigen verarbeitet werden, der sie nutzt, sondern in Rechenzentren, die über die ganze Welt verteilt sind. Außerdem wird sich die fragwürdige Entwicklung ebenfalls fortsetzen, dass die Arbeit von Millionen von Menschen einige wenige zu Millionären macht. Deshalb fordert der Autor deutlich intensiveres Nachdenken über die Folgen der Digitalisierung als bisher. Immer sind es die Konzerne, die die Zukunft des Internet gestalten. Google macht es bereits vor mit Android auf Mobiltelefonen, mit seinem Internetbrowser Chrome und bald auch einem eigenen Betriebssystem für Kleincomputer. Facebook hat es geschafft, eine Plattform zu werden, ein breites Fundament also, auf dem andere Firmen aufbauen. Antworten sind also gefragt auf die immer größer werdende Datensammelwut der Firmen, wenn wir die Kommunikationswege der Zukunft nicht den Internet-Giganten überlassen wollen. „Wir müssen eigentlich schon heute darauf achten, diesen Diensten nicht zu viele Daten zu geben, ihnen nicht den Schlüssel zu unserem Leben geben.“ (S. 190) A. A.

 

Görig, Carsten: Gemeinsam einsam. Wie Facebook, Google & Co. Unser Leben verändern. Zürich: rell Füssli, 2011. 191 S., € 19,90 [D], 20,50 [A], sFr 34,90

 

ISBN978-3-280-05422-2