Mitte Januar 1997 einigten sich Israels Premier Netanjahu und Palästinenser-Präsident Arafat über den israelischen Truppenrückzug aus Hebron und anderen Teilen des Westjordanlandes. Dieses Verhandlungsergebnis wurde weltweit als Beitrag zum Nahostfriedensprozeß begrüßt. Lediglich Extremisten auf beiden Seiten schienen dieser Entwicklung skeptisch gegenüberzustehen. Felicia Langer, israelische Anwältin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises, kann dieser optimistischen Einschätzung nicht viel abgewinnen. In dem vorliegenden, noch vor der Hebroner Vereinbarung erschienenen Band kommentiert sie die Entwicklung der Menschenrechtssituation in Palästina vor dem Hintergrund der beiden Osloer Abkommen. Ihre Bestandsaufnahme ist deprimierend: "Wenn das der Friede ist", zitiert sie eine Palästinenserin, "dann wollen wir keinen Frieden." Für die Bewohnerinnen der Westbank hat weder der Teilabzug der Israelis noch die palästinensische Autonomie viel an ihrer ausweglosen und isolierten Situation geändert. Hauptschuld dafür trägt die israelische Siedlungspolitik, die sich auch nach dem Massaker am Pilgergrab und der Ermordung Rabins nicht wesentlich geändert hat. "Die israelische Besatzermoral hat nach wie vor Oberhand. Doch zum erstenmal wurde sie von Palästinensern legitimiert." Langer prangert jedoch auch Menschenrechtsverletzungen von Seiten der palästinensischen Behörden (insbesondere dem staatlichen Sicherheitsgericht) an, die offensichtlich von ihrem Widerpart gelernt haben. Nach der Errichtung der Autonomie wurden in denselben Gefängnissen, die zurzeit der   26 israelischen Besatzung besonders gefürchtet waren, Häftlinge den gleichen Foltermethoden ausgesetzt. Die Rechtfertigung dafür gleicht den üblichen Aufrechnungen. "Was für eine grauenvolle Buchhaltung - Wann wird sie ein Ende haben?" fragt Felicia Langer resignierend. Eine positive Antwort darauf ist auch für sie nicht in Sicht. H. P G.

Langer, Felicia: Laßt uns wie Menschen leben. Schein und Wirklichkeit in Palästina. Göttingen: Lamuv-Verl., 1996. 207 S., DM/sFr 32,-/ÖS 250,-