Wenn wir eine gerechte Gesellschaft gestalten wollen, müssen wir überlegen, bei welchen Bedürfnissen der Menschen wir beginnen. Danielle Allen spricht von drei zusammenhängenden Ebenen. Es gebe die „Rechte der Alten“ (der Begriff stammt von Benjamin Constant), die dafür stehen, als Mensch Teil einer Gesellschaft zu sein und an gemeinsamen Entscheidungen teilzunehmen. Zweitens gibt es die „Rechte der Modernen“ auf private Autonomie, das Recht, den Kurs des eigenen Lebens festzulegen. Drittens gibt es die ökonomischen Rechte auf Vermögen und/oder Umverteilung.

Allen kritisiert, dass gerade die Frage nach politischer Gleichheit, aus dem Blick verloren wurde. „Es ist schlicht und einfach nicht möglich, durch die Welt zu gehen, ohne eine ganze Reihe von Zwängen anzuerkennen und sich ihnen zu beugen, die von Gesetzen, gemeinsamen kulturellen Praktiken, sozialen Normen und so weiter herrühren. Deshalb besteht die einzige Möglichkeit, vollständig autonom zu sein, im Grunde darin, diese sozialen Zwänge sowohl in politischer als auch in kultureller Hinsicht mitzugestalten. Daraus folgt, dass menschliches Wohlergehen eine Frage sowohl privater Autonomie als auch öffentlicher Autonomie ist, wobei letztere eine sinnvolle Beteiligung an der kollektiven Entscheidungsfindung nach sich zieht.“ (S. 20f.)

Allen fragt sich, was eine Veränderung der skizzierten Ausgangssituation im Hinblick auf die politische Gleichheit zur Folge hätte und kommt zu drei zentralen Schlussfolgerungen. Sie plädiert für das Konzept einer „vernetzten Gesellschaft“, für einen „Polypolitanismus“ und für wirtschaftliche Ermächtigung.

Unter einer vernetzten Gesellschaft versteht Allen, „eine Interaktionskultur zu schaffen, die dazu beiträgt, dass den Menschen soziale Verbundenheit gelingt“ (S. 141). Ihr Konzept des „Polypolitanismus“ spricht an, dass politische Beteiligung sich oft auf mehr als eine gemein- same Institution beziehen kann. Gerade bei der Diskussion über Migration werde deutlich, dass das Ziel gleichberechtigter Teilhabe voraus- setzt, dass Menschen die Möglichkeit besitzen, mehr als einer politischen Gemeinschaft anzugehören. Mit der Annahme, politische Gleichheit als Voraussetzung für das Wohlergehen in einer Gesellschaft zu sehen, kommt Allen weiterhin zu dem Schluss, dass die Mitbestimmung in Betrieben ausgebaut werden müsse.