In der BRD bestehen nach einer Erhebung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft etwa 5000 rechtsfähige Stiftungen mit einem Vermögen von 20 Mrd. DM und Jahreseinnahmen von 600 Mio. DM. Trotz dieses beachtlichen Volumens, das sich zu drei Viertel auf 12 Großstiftungen konzentriert; ist die Bereitschaft vermögender Staatsbürger, ihren Beitrag zum Gemeinwohl über die Besteuerung hinaus zu leisten, vergleichsweise gering. In den USA etwa bringen 25.000 Stiftungen mit einem Gesamtvermögen von 130 Mrd. DM pro Jahr 10 Mrd. DM auf. Der Autor gibt einen knappen Überblick über die Geschichte des Stiftungsgedankens, skizziert Tätigkeitsbereiche verschiedener deutscher Stiftungen und erläutert die Motive ihrer Begründer. Vor allem aber plädiert er für die Ausweitung der Idee, die aufgrund der zunehmenden Überbelastung des Staates an Aktualität gewinnt. Ein besonderer Vorteil der Stiftungen liegt darin, daß sie flexibel sind und damit kurzfristige Finanzmittel aufbringen können. Da ihr Engagement nicht an Mehrheitsvoten gebunden ist, können sie wissenschaftliche wie auch soziale Experimente fördern, unter geringerem Erfolgsdruck auch längerfristige Projekte unterstützen, deren Zweckmäßigkeit von der öffentlichen Hand nicht erkannt oder in Abrede gestellt werden. Auf diese Art können Stiftungen korrigierend und ergänzend in gesellschaftspolitische Entwicklungen eingreifen.

Zu einseitig und vereinfachend beschreibt der Autor in diesem Zusammenhang den zunehmend steigenden Einfluß groß-industrieller Unternehmen und der ihnen nahestehenden Stiftungen auf Wissenschaft und Forschung. Sie tragen nicht unbedingt dazu bei, "die Restunabhängigkeit der Forschungseinrichtungen von der öffentlichen Hand zu bewahren", sondern stellen vielmehr die Freiheit der Wissenschaft in Frage. Wenn gegenwärtig schon 60% aller Mittel für Forschung und experimentelle Entwicklung direkt aus der Wirtschaft kommen, der Staat aber 97% aller Aufwendungen für Lehre und Ausbildung trägt, widerlegen Zahlen das Motiv gemeinnütziger Wohltätigkeit.

Burens, Peter-Claus: Stifter als Anstifter. Vom Nutzen privater Initiativen. Zürich: Ed. Interfrom; Osnabrück: Fromm, 1987. 98 S. DM 14,- / sfr 11,90/ öS 109,20