"Nicht ob etwas gestern galt, sondern ob es morgen noch trägt heißt die zentrale Frage, der Gertrud Höhler in diesem Buch nachgeht. Da Wertbesitz in unserem unbewußten Denken gelagert Ist, reagieren wir so empfindlich, wenn es um die Änderung dieser, unserer Werte geht. Allerdings fordert die heutige pluralistische Gesellschaft einen oftmaligen Abschied von Vertrautem. Nach Ansicht Höhlers wechseln wir heute vom äußeren in einen inneren Pluralismus. Das neue "Sowohl als Auch" bedeutet zwar einerseits eine Entlastung für den einzelnen, andererseits aber eine ständige Belastung, um nicht hinter dem neuen Wertekatalog zurückzubleiben. Vor diesem Hintergrund muß gesagt werden, daß was für Zeiten des Mangels notwendig war, für Zeiten des Überflusses neu überdacht werden muß: sind menschliche Grundbedürfnisse erfüllt, kann zu weiteren Sinnfragen wie etwa einer humanen Arbeitswelt oder neuen Formen des Familienlebens übergegangen werden. Mit dem Ablegen überholter Strukturen im privaten, beruflichen und im sittlichen Bereich gelangen wir zu einem bescheideneren, aber aufrichtigeren Wertebesitz, was einem Akt innerer Innovation gleichkommt.

Höhler, Gertrud: Virtuosen des Abschieds. Neue Werte für eine Welt im Wandel. Düsseldorf (u.a.): Econ-Verl., 1989, 110 S.