In verständlicher Sprache aufbereitetes Grundlagenwissen zur breiten Palette der Anwendungsbereiche der Informationstechnologien (IT) - Fachbegriffe werden gemäß der Struktur des “Hypertextes " jeweils in verweisenden Kästen erläutert - machen den vorliegenden Band in der Tat zu einem Kursbuch, das Orientierung wie Standortbestimmung(en) im sich rapide wandelnden und ausweitenden Feld der Informationsgesellschaft ermöglicht. Unter "Neue Medien" werden dabei "alle Verfahren und Mittel" subsumiert, "die mit Hilfe digitaler Technologie, also computerunterstützt, bislang nicht gebräuchliche Formen von Informationsverarbeitung, Informationsspeicherung und Informationsübertragung, aber auch neuartige Formen von Kommunikation ermöglichen". Man erfährt vom regen Geschehen in den rasch expandierenden Datennetzen - von Internet und seiner benutzerfreundlichen Veränderung durch World Wide Web bis hin zu den kommerziellen Online-Netzen - und erhält Einblick in die neuen Möglichkeiten der Wissensorganisation etwa durch elektronisches Publizieren und Multimedia-Datenbanken.

Selbstverständlich werden auch die Auswirkungen auf das AIItagsleben - vom Teleshopping und Telebanking über die virtuelle Kunst bis hin zur boomenden Unterhaltungselektronik sowie Veränderungen der Unternehmenskommunikation in der Informationsgesellschaft thematisiert. Den Datennetzen wird übrigens der Einzug der Werbung in einem Ausmaß prophezeit, wie er in den herkömmlichen Medien heute selbstverständlich ist. Nur sei die Werbung der Zukunft ebenfalls interaktiv, etwa nach dem Motto: "Schauen Sie sich dieses zweiminütige Video über den neuen Opel Astra an, und wir zahlen für den Abruf eines Spielfilms Ihrer Wahl." Der Forderung nach Abschaffung aller (staatlichen) Informationsmonopole wird mit dem Abdruck der Ergebnisse einer EU-Expertenarbeitsgruppe Nachdruck verliehen, die eben jene EU-weit vorschlug und im Rahmen eines Aktionsplanes bis zum 1. Januar 1998 auch durchsetzte.

Freilich werden auch Gefahren der neuen Medien gesehen, etwa die neue Aufspaltung der Gesellschaft in "Wissenseliten und Wissensproletarier" (Peter Glotz); in der Mehrzahl der Beiträge überwiegen jedoch die Hinweise auf die sich eröffnenden Chancen der interaktiven Medien: "Das Fernsehen hat die Information zentralisiert. Die Informatik dagegen dezentralisiert sie, indem sie die Kommunikation von Individuum zu Individuum wiederherstellt", so ein Zitat in Anlehnung an den Medienphilosophen Vilern Flusser, dem der Band gewidmet ist.

H. H.

Kursbuch Neue Medien. Trends in Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Kultur Hrsg. v. Stefan Bollmann. Mannheim: Bollmann, 1995. 365 S., ca. DM / sFr 39,80/ ÖS 311,-