Während die Reihe von Arbeiten zur qualitativen Bestimmung von Kreativität und Innovation wohl unübersehbar ist, besitzen quantitative Annäherungen an den Gegenstand durchaus Seltenheitswert. Ziel der vom Autor unterbreiteten Innovationstheorie ist eine Darstellung, die betriebswirtschaftlichen und technisch-naturwissenschaftlichen Anforderungen gleichermaßen gerecht wird. Der Steigerung von Effizienz und Effektivität in den Bereichen Entwicklung, Fertigung, Vertrieb und Verwaltung wird dabei Priorität eingeräumt. Wehrmann erläutert einleitend die Differenz zwischen primitiven, trivialen, optimalen und idealen Lösungsqualitäten und legt seinen weiteren Ausführungen eine Nomenklatur innovativer Systeme zugrunde: Mengen-, Zeit- und Nutzen-/Umsatzparameter werden eingeführt, um beispielsweise zu veranschaulichen, in welchem Verhältnis Entwicklungs- und Produktionskosten betriebswirtschaftlich vorteilhaft zu verteilen sind. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht die strategische Planung dreidimensionaler und vereinfachter n-dimensionaler Innovationsmodelle. Diese werden jeweils durch eine Fülle algebraischer und graphischer Verfahren entwickelt. Bei aller Akribie der Darstellung kommt der Autor zu dem Schluß, daß "sich der Aufbau praxisbezogener Innovationsmodelle durch Algorithmen alleine nicht bewerkstelligen läßt, (...) sondern modifizierte und ergänzende Planungsmodelle erfordert". Dennoch ist er zuversichtlich, "daß die Möglichkeit einer quantitativen Kontrolle der meist nur heuristisch festgelegten innovatorischen Daten nicht nur "aha-Erlebnisse“ bringen und Lerneffekte initiieren, sondern auch die Qualität des gesamten Marketingprozesses verbessern wird. Im letzten Abschnitt des Bandes werden Strategien zur Optimierung kooperativer Gruppen erörtert und Folgen möglicher Fehleinschätzungen innovatorischer Parameter diskutiert.

Die Qualität des Konzepts wird letztlich nur in der Praxis zu überprüfen sein, doch ist auch für Außenstehende unschwer auszumachen, daß der Autor selbst die Möglichkeiten einer umfassenden quantitativen Innovationstheorie als begrenzt ansieht. Sie dürfte in der Tat ein "zu enges Korsett sein, um die Wirklichkeit vollständig zu beschreiben". Wäre dies nicht auch zu viel verlangt?

Wehrmann, Wolfgang: Innovation quantitativ. Ein neuer Beitrag zur Quantifizierung der strukturellen und ökonomischen Optimierung industriell-innovativer Planungsmodelle. Wien: Metrica-Fachverl., 1988. 369 S., DM 52,- / sfr 52,- / öS 341