Wendet sich „Innovation quantitativ“ von Wolfgang Wehrmann an Fachkräfte, die in betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen mit Fragen der Innovation zu tun haben, so geht es hier eher um eine grundsätzliche Einführung in den Themenbereich. Zunächst wird ausgeführt, daß innovative Prozesse nicht linear, sondern komplex verlaufen und internationalen Informationstransfer zur Voraussetzung haben. Auf der anderen Seite wird diese These durch eine Motivationsanalyse führender Manager korrigiert: 49 % aller befragten Unternehmen sehen in der Erzielung eines technologischen Vorsprungs gegenüber der Konkurrenz das entscheidende Motiv für innovative Bemühung. dagegen wird die Reaktion auf Rohstoff- und Energieverknappung nur in 15 % und der Ausgleich eines Arbeitskräftemangels in 6 % der Fälle ins Treffen geführt.

Hinsichtlich einer staatlichen Einflußnahme auf ein "innovatives Wirtschaftsklima äußern sich die Autoren skeptisch und vertrauen eher auf die dynamische Effizienz des Marktes. Die Frage, ob kleinere oder größere Unternehmen innovationsfreudiger sind, findet eine differenzierte Beantwortung. Obwohl beispielsweise multinationale Konzerne im Vergleich mit Kleinbetrieben ein Vielfaches an Mitteln für Forschung und Entwicklung aufbringen, zeigen "zahlreiche Fallstudien, daß nur der geringere Teil der bedeutenden Erfindungen des 20. Jahrhunderts aus dem Bereich der Großunternehmen stammt". W. Gireschner beschäftigt sich mit dem Thema "ungenutztes Mitarbeiterpotential": Im Rahmen eines Tübinger Arbeitnehmer-Beteiligungsmodells wurde auf freiwilliger Basis eine" Innovationswerkstatt" eingerichtet, in welcher Arbeiter selbstgewählte Themen behandeln und von der Problemdefinition bis hin zu (alternativen) Lösungsvorschlägen in Betriebsverhandlungen einbringen konnten. Möglichkeiten und Grenzen des Wissenstransfers zwischen Universität und angewandter Forschung sowie die innovationsfördernde Rolle einer zunehmend umweltbewußten Öffentlichkeit sind weitere diskutierte Aspekte.  

Die eingeschlagene Marschroute marktorientierter Unternehmensphilosophie führt auf teils sonderbare Pfade der Argumentation, wonach es etwa Bundesumweltminister Töpfer "relativ glatt" gelungen sei, "die Atomindustrie umzustrukturieren".

Innovation. Mit Beitr. v. Rudi Kurz ... Red.: Hans-Georg Wehling. Stuttgart (u.a.): Kohlhammer, 1989. 167 S. (Kohlhammer- Taschenbücher; 1085)