Die vorliegende Publikation nähert sich dem Naturproblem durch ein Konzept Sozialer Ökologie, wie es eine am Wiener Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) eigens eingerichtete Abteilung seit einiger Zeit entwickelt. Die AutorInnen der insgesamt 16 Beiträge des Bandes sind entweder am zitierten Institut institutionell verankert oder mit diesem durch regelmäßigen Gedankenaustausch verbunden. Prominente Vertreterinnen der scientific community wie Marina Fischer-Kowalski, Helmut Haberi oder Rolf Peter Sieferle finden sich darunter. Vier Hauptkapitel strukturieren die interdisziplinär angelegte Publikation. Im ersten Teil werden die grundlegenden Begriffe Stoffwechsel und Kolonisierung als analytische Kategorien eingeführt. Gesellschaftlicher Stoffwechsel meint dabei - durchaus in bewußter Analogie zum individuellen - materielle und energetische Austauschprozesse zwischen Gesellschaft und natürlicher Umwelt. Der Prozeß der Kolonisierung beschreibt hingegen Methoden der Manipulation natürlicher Parameter durch den Menschen, die Umwandlung von natürlichen Systemen in gesellschaftliche Kolonien. Der Stoffwechsel industrieller Gesellschaften firmiert als Gegenstand des zweiten Teils. Eine Bestimmung des Material-Stoffwechsels stößt - nicht zuletzt aufgrund fehlender Vorarbeiten und mangelnder Datenbasis noch auf erhebliche methodische Schwierigkeiten, wie am Beispiel der Länder Deutschland, Österreich und Japan gezeigt werden kann. Als wesentlich besser erforscht erweisen sich die Energieströme industrieller Gesellschaften, die ja in zahlreichen Publikationen als Angelpunkt einer ökologischen Reformpolitik erscheinen. Ist die Kategorie des Metabolismus (Stoffwechsel) im Wesentlichen in die dargestellten Input-Output-Modelle übersetzbar, beschreibt der der Kolonisierung gewidmete dritte Teil darüber hinausgehend das weite Spektrum menschlicher Eingriffe in die natürliche Umwelt, von der Landwirtschaft bis zur Gentechnologie. Aufschlußreich auch der Beitrag von Thomas Macho, der die kolonisierenden Eingriffe in ihrem historischen Wandel am Beispiel des Mensch-Tier-Verhältnisses analysiert. Der abschließende vierte Teil zum Themenkreis "Gesellschaftliche Selbststeuerung" expliziert den grundlegenden Ansatz der Autorinnen, systemische Modelle und ihre Wechselbeziehung ins Zentrum zu stellen, Gesellschaft und Individuum als handelnde Subjekte treten demgegenüber in den Hintergrund. Dies erklärt auch den Verzicht auf eine Behandlung der ethischen Dimension in der Mensch-Natur-Beziehung. Nicht immer wird das deklarierte Bemühen des Bandes, Analyseergebnisse perspektivisch mit der Nachhaltigkeitsdebatte zu verbinden, deutlich. In jedem Falle läßt aber die Lektüre die breite Fächerung einer Wissenschaftsdisziplin Soziale Ökologieerahnen: erste Bausteine sind nun aneinandergefügt. G. S. 

Gesellschaftlicher Stoffwechsel und Kolonisierung von Natur. Ein Versuch in Sozialer Ökologie. Fischer-Kowelski, Marina ... (Mitarb. Amsterdam: G+B Verl. Fakultas, 1997. 292 S.