Die Gegenwart ist von einer Erosion des fordistischen Modells der Arbeitsorganisation gekennzeichnet. Flexibilisierung der Arbeit ist zu einer "Wunderwaffe" (Semlinger) sowohl von neoliberalen Wachstumstheorien als auch von wachstumskritischen Ansätzen geworden. In diesem Sammelband werden von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen in 13 Aufsätzen die unterschiedlichsten Aspekte und Probleme der Flexibilisierung auf der Basis neuesten Datenmaterials untersucht. Grundsätzlich bedeutet Flexibilisierung Abweichung von „Normalarbeitsverhältnissen". wird aber häufig mit De-Regulierung gleichgesetzt. Die Arbeitgeberseite verspricht sich davon mehr personalpolitischen Spielraum, die Gewerkschaften interpretieren dies als Angriff auf Arbeitnehmerrechte. Zunehmend mehr Beschäftigte sehen flexible Arbeitsverhältnisse als Freiraum zur Eigenständigkeit und Selbstverwirklichung. Die Autoren dieser Studie 'zeigen, dass keine dieser Erwartungen in Reinkultur erfüllt werden wird. Es wird von der Lösung sozialpolitischer, rechtlicher, ökonomischer, sozialversicherungstechnischer u.a. Probleme abhängen, von wem in Zukunft diese neuen Freiheiten genützt werden können und auf wessen Kosten dies geschieht. Eines steht allerdings fest: der Begriff des "Arbeitnehmers", der seit der Industrialisierung weitgehend unverändert geblieben ist. muss neu definiert werden (Mückenberger), um die Herausforderungen, die auf die Arbeitsorganisation und -politik zukommen werden, im Sinne einer größeren sozialen Gerechtigkeit und humanen Selbstbestimmtheit meistern zu können.

Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Interessen, Wirkungen, Perspektiven. Hrsg. v. Klaus Semlinger. Frankfurt/M. (u.a.): Campus-Verl., 1991. 298 S., (Forschungsberichte aus d. Inst. f. Sozialwiss. Forschung e. V, München) DM 48,- / sFr 40,70 / öS 374,40