In den drei hier versammelten Aufsätzen ist Muguerza, Leiter des Instituts für Philosophie des spanischen Wissenschaftsrates, dem "Paradigma der dialogischen Vernunft" auf der Spur. "Zwischen Liberalismus und Libertarismus" diskutiert mehr oder minder fundierte Kritiken des Wohlfahrtsstaates. Zum einen findet die "Theorie der Gerechtigkeit" von John Rawls eine positive Bewertung; die „Minimalstaar'-Strategie R. Nozicks wird dagegen als "undialogisch", „fast durchgehend ungehobelt provinziell" kritisiert, wenngleich auch als wirkungsstarke Grundhaltung US-amerikanischer Führungsmentalität ausgewiesen. "Variationen über ein Kantisches Thema" bietet der zweite Beitrag, in weichem die Diskussion um Habermas' "kommunikative Ethik" im Zentrum steht. Unter Einbeziehung der aktuellen Kritik von Seiten der analytischen Philosophie kommt der Autor zu dem Schluss, dass die schmerzliche Inaktualität des Sollens nicht mit dessen Nutzlosigkeit gleichgesetzt werden dürfe. Unter dem Titel "Vernunft, Utopie und Dystopie" setzt sich Muguerza schließlich mit dem Utopiebegriff Blochs auseinander, wobei er u.a. auch die Unterscheidung Max Webers zwischen" Gesinnungs-" und" Verantwortungstechnik" insofern zurückweist, als es "keine zwei Ethiken, nämlich eine Ethik für ‚Politiker' (... ) und eine für andere Sterbliche geben kann". Gegen den Vorwurf, dass utopisches Denken es verabsäume, die Zukunft auch konkret zu entwerfen, verteidigt der Autor die Ethik, da es deren Aufgabe nicht sein kann, "Futurologie zu betreiben". 

Muguerza, Javier: Ethik der Ungewissheit. Freiburg/Br. (u.a.): Alber, 1990,216 S. (Praktische Philosophie; 34) DM 58,-/ sFr 49,20 / öS 452,40