Im Rückgriff auf Traditionen der Stoiker und insbesondere Zenons wird die Lehre der "Oikeiois" als Muster gegenwärtig anzustrebender Selbstfindung diskutiert. War Ethos einst als allgemein gültige Gewohnheit und Charakter fassbar, so lässt sich "heute im Subjektiven der einzelnen Personen ein ethischer ,Standpunkt' nicht länger verankern". Vor diesem Dilemma der Moderne geht es dem Autor darum, in den realen Prozessen" den möglichen Formen der (Weltan)Eignung nachzuspüren; die Diskrepanz von zweckrationaler Systemgebundenheit und lebensweltlicher Orientierung kommt dabei ebenso zur Sprache wie die pessimistisch eingetönte Kulturkritik, die in der "Wiederholbarkeit des Medienereignisses" vor allem den Dämon der Zerstreuung sieht, "wo Sammlung geboten wäre". Ohne die verlorene Geborgenheit ethischer Orientierung zu verheißen, gilt es, "sich selbst in seinen Grenzen und Möglichkeiten perspektivisch zurechtzufinden, (... ) Soll/Ist-Vergleiche durchzuführen und Umweltbedingungen (zu) beachten, die eine Änderung der Ziele und Wege geraten sein lassen." Nach Ansicht des Autors sind die hier vorgelegten Untersuchungen zwar" nicht das Ergebnis abgehobener philosophischer Betrachtungen", aber doch alles andere als einfache Lektüre. 

Wendl, Wolf Rainer. Eignung. Ethische Erwägungen. Frankfurt: Diesterweg, 1989. S 253 S., DM 38,-/ sFr  32,201 öS 296,40