Nach Ansicht Habers können wir Hoffnung für die Zukunft schöpfen, indem Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden, »die uns Einsichten vermitteln, wie die Zukunft vielleicht aussehen könnte«. Er will deshalb die Vergangenheit möglichst sauber und wissenschaftlich dokumentiert darstellen. Es soll gezeigt werden, dass die Menschen zeitliche Eintagsfliegen sind. Die Zeit ist die wichtigste Zutat Rezept des Lebens. Andererseits ist unsere Erlebniswelt, und damit verbunden unser Vorstellungsvermögen über das Wesen der Zeit sehr beschränkt. Um die Unvorstellbarkeit der Zeitdimension (Erdalter 4,3 Mrd., Beginn des Lebens vor 2-3 Mrd. Jahren) anschaulich zu machen, verwendet Haber einen Zeitmaßstab, in dem wir zu denken vermögen. In diesem Modell wird der Zeitraum des Erdalters auf ein Kalenderjahr übertragen. Die gesamte Kulturgeschichte der Menschheit vollzog sich in diesem Modell in den letzten zwei bis drei Minuten des 31. Dezember. Die in groben Zügen dargestellte Evolutionsgeschichte der Erde und des Lebens wird auch durch Illustrationen verdeutlicht. Haber versucht Beweise beizubringen, dass die Erde die echte Wiege des irdischen Lebens ist. An dessen vorläufigem Ende steht der Mensch als Irrläufer der Evolution, der an Selbstüberschätzung leidet. Wären wir nämlich so intelligent, wie wir immer von uns behaupten, müssten wir uns nicht auf Gipfelkonferenzen über atomare Abrüstung unterhalten. Haber denkt die Zukunft des irdischen Lebens als Ganzes - weit über das besorgniserregende Wirken des Menschen hinaus. Er wendet sich gegen die anthropozentrische Denkweise. dass mit unserem Untergang das Schicksal unseres Planeten besiegelt wäre. 

Haber, Heinz: Die Zeit. Geheimnis des Lebens. München u.a.: Langen Müller, 1987. 160 S.