In einer umfassenden und detailgenauen Studie anaIysiert der Verfasser die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Grünen bis zu ihrem unerwarteten Wahldebakel im Jahre 1990. Waren Die Grünen nach einer Phase der ersten Orientierung aus den unterschiedlichen politischen Biographien der einzelnen Protagonisten heraus zu Beginn der 80er Jahre noch von einem breiten Strom der neuen sozialen Bewegungen, hauptsächlich der Friedens- und der Anti-   Atombewegung, getragen, so verliert die „Antiparteienpartei" diesen Bewegungsimpuls nach dem Ende der Nachrüstungsdebatte schlagartig. Auch ein kurzes Aufleben der Anti-Atombewegung nach der Havarie des Tschernobyl-Reaktors kann diesen Impuls nicht mehr erneuern. Schließlich bringt der Wechsel der politischen Agenda nach dem Fall der Mauer den Grünen das bundespolitische Aus. Für Kleinert eine beinahe zwingende Entwicklung. Einerseits, weil die Grünen mit ihrem Basis- und Bewegungsmythos und ihrem trotzigen Verteidigen des Amateurismus es verabsäumten, die notwendigen parteiinternen Strukturen aufzubauen, um den eigenen Mitgliedern in der schwierigen Phase des deutschen Umbruchs politische Orientierung zu geben. Andererseits, weil von Seiten der SPD mit dem Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine eine Person zur Wahl gestanden habe, die enorme Sympathien im grünen Wählerreservoir weckte. In dem jahrelangen Grabenkrieg zwischen "Fundis" und "Realos" sieht Kleinert eine strukturbildende Kraft, die der Partei, bar eines politischen Zentrums, notwendige Orientierung gegeben habe. Für die Zukunft empfiehlt er den Grünen ein handlungs- und steuerungsfähiges Zentrum mit personeller Kontinuität, das die Ökopartei als eine Art Dienstleistungsunternehmen für die nach wie vor wichtigen Themen Ökologie und Frieden unentbehrlich macht. E. H.

Kleinert, Hubert: Aufstieg und Fall der Grünen. Analysen einer alternativen Partei. Bann: Dietz Nachf 1992. 415 S., DM 38,- / sFr 32,20/ öS 296,40