Wird im allgemeinen nur vage von den neuen Potenzialen der Social Networks wie Facebook, Twitter, den VZ-Netzwerken, Hyves u. a. gesprochen, geht es in Kristin Pleugers Magisterarbeit viel konkreter darum, welche soziodemografischen Zielgruppen das Angebot politischer Partizipation in Social Networks nutzen und welche Rolle diese Networks für die politische Partizipation spielen. Auskunft über den Ist-Zustand sollen theoretische und empirische Analysen ebenso liefern wie eine Online-Nutzerbefragung.

 

 

 

Digitale Demokratie

 

Digitale Demokratie beinhaltet drei Komponenten: Politische Partizipation, eine dauerhafte wechselseitige Kommunikation zwischen Bürger- und Politikebene sowie neue, demokratisch verantwortungsbewusst vermittelnde Medien. Der Weg, den die Botschaften in der digitalen Demokratie gehen, ist dabei sowohl ein Informationsfluss top-down (Governement-to-Citizen) als auch eine bottom-up Kommunikation (Citizen-to-Citizen). (vgl. S. 72)

 

Das Internet als Begegnungsstätte, als ein Mitmachweb mit stark kommunikativem Charakter kennt inzwischen eine Vielzahl an Plattformen, die von der Autorin zunächst in ihrer Entstehungsgeschichte sowie einem Ausblick auf zukünftige Entwicklungen besprochen werden. Der politischen Partizipation in Social Networks ist ein eigener Abschnitt gewidmet, wobei zunächst grundlegend der Begriff geklärt und anschließend der Prozess der politischen Kommunikation analysiert wird. Geht es um die Rolle der Social Networks als Beteiligungsform, tut sich die Autorin schwer, sich auf bestimmte Möglichkeiten festzulegen. „Social Networks können also besser als vielseitiges Kontaktmedium gesehen werden, welches im Rahmen fast aller Partizipationsformen genutzt werden kann“, meint sie (S. 66). In diesem Zusammenhang kommen verschiedene Typen der Nutzung zur Sprache. Pleuger unterscheidet etwa zwischen den Traditionalisten (Parteimitglieder, Teilnahme an Wahlen, Engagement im Wahlkampf) und den Reformern, die sich in NGOs oder Single Issue Movements engagieren. In beiden Feldern der Partizipationstypen kann dabei noch zwischen viel und wenig Engagierten differenziert werden.

 

Was die Beteiligungsmöglichkeiten in Zeiten der Politikverdrossenheit und stetig rückläufiger Wahlbeteiligung insgesamt angeht, gibt sich die Autorin bescheiden und sieht diese nur als einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Es gehe darum, sich auf einfache Art und Weise politisch zu informieren und zu engagieren. In jedem Fall müsse man, auch wenn neue technische Möglichkeiten immer einfachere Werkzeuge bieten, selbst aktiv werden und es müsse auch ein Grundstock an politischem Interesse vorhanden sein.

 

Ob elektronische Demokratie, ob E-Democracy, E-Government oder einfach nur digitale Demokratie, allen Begriffen ist die Absicht gemein, „mit Hilfe von neuen technischen Hilfsmitteln wie dem Internet eine möglichst transparente Form der bürgernahen Politik zu schaffen“ (S. 71). Anknüpfend an das Konzept der deliberativen Politik von Jürgen Habermas gibt das Konzept der digitalen Demokratie Bürgern die Möglichkeit, die eigene politische Meinung diskursiv mit anderen zu entwickeln (vgl. S. 72). Für Habermas ist es eine Politik der argumentativen Abwägung, der gemeinsamen Beratschlagung und Verständigung über öffentliche Angelegenheiten.

 

 

 

Empirische Untersuchung

 

Sind die theoretischen Grundlagen des hier behandelten Forschungsgegenstandes auch stringent und nachvollziehbar reflektiert, so fehlt es dem empirischen Teil doch etwas an Tiefe. Über einen teilstandardisierten Online-Fragebogen wurde im Schneeballprinzip eine Zufallspopulation in den drei im Rahmen dieser Arbeit vorgestellten Social Netwoks StudieVZ/Mein/VZ, Facebook und Hyves in Deutschland und den Niederlanden befragt. Auf deutscher Seite waren 732 Personen interessiert, 594 nahmen letztlich an der Befragung teil und 447 Personen füllten den Fragebogen tatsächlich zur Gänze aus; in den Niederlanden beteiligten sich etwas weniger Personen daran. Der gewählte Fragenkatalog bezog sich direkt auf Gründe für die Teilnahme an sozialen Netzwerken und verlangt eine Auskunft über prinzipielle Partizipationsbereitschaft. Die Ergebnisse bleiben dann jedoch sehr allgemein und zeigen lediglich, dass die politische Beteiligung in Social Networks tatsächlich höher ist als im Offline-Bereich (vgl. S. 128). Einig ist man sich laut Studie darüber, „dass die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme politischen Instanzen gegenüber durch den Einsatz von Social Networks sinkt und der Dialog zwischen Politik und Bürger somit vereinfacht werden könnte“ (S. 129). Kritisiert wird von den Nutzern allerdings, dass Social Networks noch immer nicht angemessen zur Kommunikation mit den Wählern genutzt würden.

 

Deutlich wird zudem, „dass die Möglichkeiten zum Dialog zwischen Politik- und Bürgerebene in den Social Networks ein nicht zu unterschätzendes Mittel zur politischen Partizipation und zur politischen Kommunikation darstellen“ (S. 132). A. A.

 

Pleuger, Kristin: Des Bürgers neue Stimme. Möglichkeiten der politischen Partizipation in Social Networks. Ein Vergleich der Potenziale von Facebook, Hyves & Co. Marburg: Tectum-Verl., 2012. 170 S., € 25,60 [D],

 

26,70 [A], sFr 36,30 ; ISBN 978-3-8288-2919-0