Das durch die Jahrhunderte andauernde Gespräch über eine bessere Zukunft soll nun, glaubt man dem Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", zu Ende sein. Die jüngsten revolutionsähnlichen Umstürze in Osteuropa haben gezeigt, dass die Menschen nicht mehr die großen Verheißungen, sondern Einfaches und Elementares zurückzugewinnen suchen. Ausgehend von den ersten Auftritten der Utopien spürt Fest dem Wandel dieser Ideen nach. Eingehend beschäftigt er sich mit dem Nationalsozialismus und den Gründen, warum dieser gerade in Deutschland jenen Fanatismus auslösen und Massenanhang gewinnen konnte. Nach seinem Scheitern hat nun auch der Sozialismus als anderer machtvoller Utopieversuch sein Ende gefunden. Blochs "Prinzip Hoffnung" betrachtet der Autor in diesem Zusammenhang nur als "anachronistisches Zwischenspiel". Kritisiert werden auch jene, die an der" Unversehrtheit des Traumes" immer noch festhalten. Im Konzept des Dritten Weges sieht Fest ebenfalls unaufgegebene Träume und Hoffnungen auf einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz herumgeistern. Er beklagt, dass das Nachdenken über eine ideale Gesellschaft nie  "ein wirklich offenes Gemeinwesen als System entworfen" hat. Utopisch begründeten Ordnungen fehlt neben der Offenheit meist auch die Fähigkeit, sich zu reformieren. Deshalb wird einem Zustand das Wort geredet "der keine Utopie und doch nicht erfüllt ist: eine Welt, in der Menschen ohne politische Erlösungsversprechen und doch wie Menschen leben können". Das Leben ohne Utopie wurde zuvor schon von H. M. Enzensberger propagiert, H. Straßer hingegen wehrt sich beredt gegen die Diskreditierung des utopischen Denkens. Zu Recht geht er davon aus, dass es ohne Visionen einer lebenswerten Zukunft nicht geht. (Vg/. PZ 4/1990*473) J. Ditfurth plädiert in ihrem neuen Buch ebenfalls für konkrete soziale Utopien. (Ausführliche Besprechung in PZ 3/91). 

Fest, Joachim: Der zerstörte Traum. Vom Ende des utopischen Zeitalters. Berlin: Siedler, 1991. 103 S. (Corso bei Siedler), DM 20,-/ sFr 16,90/ öS 156