Der Nationalstaat als relevante und nützliche Größe für die Steuerung globaler wirtschaftlicher Tätigkeiten hat für Kenichi Ohmae angesichts der jüngsten Entwicklungen der Informationstechnologie seine Bedeutung verloren. Seitens der Politik ist das "auslaufende" Weltmodell aber nach wie vor in Gebrauch. In Japan sieht der Autor eine Reihe von Beispielen (Kauf von Flugtickets, Börsentransaktionen, Bankgeschäfte), die belegen, wie obsolet Regierungseinfluß bzw. -intervention heute schon ist. "Für ein Mail-Order-Unternehmen in Japan ist es inzwischen deutlich billiger, Massensendungen von den Vereinigten Staaten aus per Luftpost nach Tokio zu verschicken, als innerhalb der Stadt." Auch der "Supernationalstaat" Europa hat für den Autor in diesem Sinne "unfreiwillig komische, aber auch tragische Züge", denn gerade dort blickt man auf eine reichhaltige und ereignisreiche Geschichte des Regionalismus zurück. Zunächst überprüft der Autor anhand der "vier ls" (Investitionen, Industrie, Informationstechnologie und individueller Verbrauch) die heute bereits global praktizierten Geschäftseinheiten: In den Kapitalmärkten haben sich längst Mechanismen entwickelt, Geldmengen über Landesgrenzen zu transferieren. Auch die Industrie ist supranational orientiert, und   die Strategien moderner multinationaler Konzerne sind vom Wunsch geleitet, wo immer nur möglich attraktive Märke zu besetzen. Schließlich wollen immer mehr Verbraucher die besten und billigsten Produkte, egal woher sie kommen. Ausschlaggebend in diesem Wettbewerb sind geographische Einheiten wie Hongkong, Südchina, Osaka oder auch Katalonien. Der Autor nennt diese Einheiten "Regionalstaaten ", die sich nicht durch den Verlauf politischer Grenzen definieren, sondern durch ihre Größe und Gewichtung, "die sie zu echten, natürlichen Geschäftseinheiten in der Weltwirtschaft von heute machen". Alles führt unausweichlich zu einer Form der Föderation, die das einzige politische Dach ist, "unter dem vielfältige Regionalstaaten unabhängig voneinander in der globalen Wirtschaft florieren und trotzdem dem breiteren nationalen Interesse verbunden bleiben können". Interessant sind die Überlegungen zum Ende der Nationalstaaten allemal. Die kritische Analyse des gegenwärtigen Wirtschaftssystems im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung ist indes Sache des Autors nicht. Im Vordergrund steht bei ihm die Überwindung überholter geopolitischer Strukturen zugunsten einer neuen grenzüberschreitenden Zivilisation. A. A.

Ohmae, Kenichi: Der neue Weltmarkt. Das Ende des Nationalstaats und der Aufstieg der regionalen Wirtschaftszonen. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1996. Ca. 295 S.