Für die Lebendigkeit und Strahlkraft des Credos von Robert Jungk gibt es im deutschen Sprachraum keine schönere und überzeugendere Initiative als den nach ihm benannten „Zukunftspreis“ des Landes Nordrhein-Westfalen. Beide Attribute sind mit Bedacht gewählt, denn die seit kurzem vorliegende Dokumentation der 2009 vom Ministerium für Generation, Familie, Frauen und Integration (MGFFI), der Robert Jungk Stiftung, dem Städte-Netzwerk-NRW und weiteren Partnern vergebenen Auszeichnungen macht deutlich: Entsprechend begleitet und gefördert, ist zivilgesellschaftliches Engagement weit mehr als ein Beitrag zur Stärkung des gesellschaftlichen Zu- sammenhalts. Es ist mentaler, sozialer, ja spiritueller Kraftstoff und Elixier der (Selbst-)Ermächtigung. Aus insgesamt 274 Einreichungen – mehr als je zuvor in der Geschichte des Preises – hatte eine hochkarätige Jury die Preisträger zu küren. Vier Haupt- und fünf Sonderpreise – erstmals für grenzüberschreitende Zusammenarbeit (vor allem mit Partnern in den Niederlanden), sowie zwei „Kunstpreise“ ,insgesamt mit 23.000 € dotiert, wurden vergeben und 18 weitere Initiativen „ausgezeichnet!“ „Den demografischen Wandel gestalten“, lautete das Motto, und entsprechend vielfältig waren die Zugänge: So teilten sich etwa der „Arbeitskreis Milter Bürger“, der durch eine Reihe von Initiativen das Leben der 2000-Seelen-Gemeinde im Münsterland nachhaltig verbessert hat, mit einer Bürgerstiftung in Bonn, einer genossenschaftlichen Initiative im von sozialen Problemen stark betroffenen Kölner Stadtteil Chorweiler und einem aus meiner Sicht besonders hervorzuhebenden Schulprojekt aus Hagen die Hauptpreise: „Tschüss, bis nächsten Mittwoch“, so verabschieden sich HauptschülerInnen von Erwachsenen mit oft mehrfachen Behinderungen, mit denen sie in ihrer Schule Sport machen und spielen. Verantwortungsbewusstsein, Rücksichtnahme und Zuverlässigkeit, so berichtet die Projektleiterin Karin Thoma-Zimmermann, werden gefördert, und hofft auf Folgeprojekte und internationalen Erfahrungsaustausch (Kontakt: k.thoma-zimmermann@t-online.de). Die Stärkung der „europäischen Dimension“ ist auch den Trägern des Preises ein zentrales Anliegen.

 

Authentisch gestaltete Projektbeschreibungen, stimmungsvolle Fotos und ein großzügiges Layout laden zur Nachahmung oder Mitwirkung geradezu ein: Diese Dokumentation ist, was sie sein soll: selbst ein Stück Ermutigung. W. Sp.

 

Ausgezeichnet! Wie wollen wir leben? Die Zivilgesellschaft gestaltet den demographischen Wandel. Dokumentation des Robert Jungk Preises 2009. 74 S.