Zu Beginn der Lektüre stolpert man über einen allzu notwendigen und einleuchtenden Vorschlag Guggenbergers. Wir sollten in Zukunft etwas anderes tun und die Gegenwart nicht länger als "Müllhalde der Zukunft" einrichten. "Wie wär‘s fürs erste mit Flüssen und Seen, in denen man wieder schwimmen kann ...".In der Folge zeichnet sich eine lesenswerte und interessante Zusammenfassung der Kontroverse um Neuverteilung und -bewertung des immer knapper werdenden Gutes Arbeit ab. Der Autor bringt dazu auch eigene Lösungsvorschläge und sozialpolitische Strategien. Er wirft nicht nur einen Blick zurück auf das alte Selbstverständnis der menschlichen Tätigkeiten , sondern beschäftigt sich auch mit theoretischen und künftigen Aspekten. Arbeit wird immer noch als sehr ambivalent erlebt, "als fundamentale Wesensbestimmung des Menschen oder als unmenschliche Plage, Arbeit als Schicksal oder als Chance, als Lebensbedürfnis oder als Lustkatastrophe?" Das Nachdenken über diese Frage verliert in Zeiten zunehmender Arbeitsverknappung an Brisanz. Das Interesse richtet sich darauf, welche Zukunft sich für die Arbeit abzeichnet.

Die Entfesselung der Arbeit am Übergang zur Neuzeit war nur der erste Schritt. Die Industriegesellschaft "adelte" Arbeit zum zentralen Lebensinhalt. Im Computerzeitalter wird versucht, Arbeit unter das Diktat der Ratio zu stellen. "Die Irreversibilität seines eigenen maschinenintelligenten Entwurfs könnte (den Menschen) selbst bald endgültig zum Vorläufer degradieren, der in der mechanischen Sklaverei untergeht." Detailliert geht Guggenberger auf einige Forschungsprojekte zur Zukunft der Arbeit ein. Insgesamt zeichnet sich das Nachlassen der soziologischen und psychologischen Bedeutsamkeit der Arbeit ab. Die zunehmende Humanisierung der ~ durch Computerisierung wird mit Recht bezweifelt, da die Hochtechnisierung vor allem die Fähigkeit zur schnellstmöglichen Anpassung an Maschinen-Bedürfnisse beinhaltet. Aber kehren wir zum eingangs gemachten Vorschlag zurück. Hält die Arbeitsgesellschaft immer noch die falsche Arbeit fest? Sind wir immer noch "die alten Arbeitssklaven" oder schon längst auf dem Weg zu neuen Lösungen und neuer, noch nicht marktfähiger Arbeit? Guggenberger formuliert es drastisch: "Notfalls wird auch noch die Freizeit arbeitsförmig organisiert. Kein Wunder also, daß beim freien Wochenende oder gar beim Jahresurlaub aller Spaß aufhört I" Neuen Denk- und Handlungsformen stehen vor allem Grenzen „in Gestalt des Widerstrebens jener Menschen (entgegen), die der Arbeit noch immer einen unverzichtbaren Teil ihres Lebensinhalts verdanken“. 

Die Zukunft der Arbeitsgesellschaft ist in vollem Gang. Vorschläge zur Gegensteuerung der fatalen Entwicklung zu einer „arbeitslosen" Gesellschaft hin, liegen genügend vor. Nur mit deodorantem Frischwärts ist es nicht getan. Der neueste Vorschlag auf einem Symposium über die Zukunft der Beschäftigung (vgl. dazu VDI nachrichten. 1988, Nr. 40 v. 7.10., S. 46) besagt, daß heute schon 1,5 Mio. Arbeitsplätze durch flexible Arbeitszeiten und Teilzeitarbeit und durch ökologische· Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. 

Guggenberger, Bernd: Wenn uns die Arbeit ausgeht. Die aktuelle Diskussion um Arbeitszeitverkürzung, Einkommen und die Grenzen des Sozialstaates. München (u.a.):Hanser, 1988. 174S. DM 16,80/sfr 14,25/öS 131,-