Am 4. Juni 1992 startete das Unternehmen "TransALPedes - zu Fuß durch den Lebensraum Alpen", eine viermonatige Alpendurchquerung von Wien nach Nizza. Ein internationales Team wollte dem um sich greifenden Mobilitätswahn die Langsamkeit des Wanderns entgegensetzen - und das auf fast 2000 km und 120000 Höhenmetern. In einer Art offener Recherche, in Gesprächen, Lokalterminen, Abendveranstaltungen und durch Medienarbeit setzten sich die Teilnehmer mit den Problemen der Alpenregion auseinander. Die vorliegende Dokumentation zeichnet diese Wanderung nach und liefert Grundinformationen zu den einzelnen Themen und gewährt somit Einblick in die Zusammenhänge der grenzüberschreitenden Alpenproblematik.

Die mit Schlagworten wie Transitlawine, harter Tourismus, Berglandwirtschaft und Kraftwerksausbau umschriebenen Tatbestände werden konkret erkundet. Ein Beispiel: TransALPedes besuchte alle wichtigen Transitrouten, auf denen im Jahr 1990 ca. 90 Mio. Tonnen Güter befördert wurden. Dabei wurde immer klarer, dass der Transitverkehr weit über die bekannten lokalen Auswirkungen hinaus den ganzen Lebensraum Alpen trifft. Nicht nur deshalb wurden unzählige Gruppierungen und Bürgerlisten gegründet, die Widerstand leisten. Viele davon wurden auf der Route von TransALPedes besucht. ob es die schweizerische ..Initiativa da las Alps", der österreichische .Arbeitskreis öffentlicher Verkehr" oder das "Collectif de Def'ense de la Claree" in Frankreich ist. Die Notwendigkeit ihrer Arbeit steht außer Streit. gleichzeitig wird aber die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob die sich abzeichnenden Besänftigungstendenzen genügen, um die Alpen vor dem Kollaps zu bewahren: "Vermutlich werden tiefgreifendere Veränderungen nötig sein, die weder die Alpenregion selber noch die einzelnen Alpenländer allein zu ergreifen in der Lage sind. Von grundsätzlicher Bedeutung ist dabei, ob es mittelfristig gelingen wird, die nach wie vor zentralen Werte Wachstum und Mobilität zu verabschieden und durch gesellschaftlich und ökologisch verträglichere Formen zu ersetzen." Im abschließenden Gespräch über die Zukunft der Alpenregion mit Werner Bätzing kommt die Notwendigkeit einer "nachhaltigen" Alpenentwicklung zur Sprache, die v.a. von "unten" getragen werden muss. Ein Sachregister und ein umfangreiches Adressenverzeichnis ergänzen den Band, der nicht zuletzt ein Wandertagebuch mit Detailinformationen ist, das zum Nachwandern einlädt.

A.A.

Alpenglühn. Auf TransALPedes-Spuren von Wien nach Nizza. Siegrist. Dominik ... (Mitarb.) Zürich (u.e.): RotpunktVerl. (u.e.), 1993. 293 S., DM 44,- / sFr 40,50/ öS 340