Die derzeit angewandten globalen Klimamodelle sind recht gut in der Lage, das bestehende Klima großräumig zu reproduzieren. Dadurch steigt die Glaubwürdigkeit der berechneten globalen Klimaszenarien etwa des UN-Klimabeirates IPCC. Regionale Aussagen können jedoch von diesen globalen Modellen aufgrund der zu geringen räumlichen Auflösung nur unbefriedigend gemacht werden. Um dieses Manko auszugleichen, werden seit den 90er Jahren sogenannte Regionalisierungsverfahren angewandt. Helga Kromp-Kolb, Helga Nefzger und Herbert Formayer vom Institut für Meteorologie und Physik der Universität für Bodenkultur in Wien haben im Auftrag von Greenpeace solche aktuellen Studien zum Alpenraum vornehmlich aus Österreich und der Schweiz zusammengefaßt. Referiert werden erste Ergebnisse über die möglichen Auswirkungen einer Klimaerwärmung auf die Vegetation der Alpen, den Wasserhaushalt, den Rückgang der Gletscher und des Permafrosts sowie die ökonomischen Folgen für den Wintertourismus. Überdies werden die Grundbegriffe der Klimaforschung und die gängigen Klimamodelle gut verständlich erklärt.

Eine Erhöhung der Jahresmitteltemperatur um 2 Grad, so eines der Ergebnisse, würde eine Erhöhung der Vegetationsstufen um 300 bis 400 Meter nach oben bedeuten. Zudem sei bei Erwärmung mit vermehrter Schädlingsverbreitung zu rechnen, wofür auch historische Beispiele angeführt werden. Die Hoffnung, daß Wälder das vermehrte CO2-Angebot binden könnten, zerstören die Forscher jedoch, wie Langzeituntersuchungen vom Botanischen Institut der Universität Basel zeigten.

Das Ansteigen der Permafrostgrenze - Schätzungen sprechen von 200 bis 750 Höhenmeter - würde zu einer weiteren Zunahme von Murenabgängen und zur Veränderung des Wasserhaushalts der Flüsse führen. Erwartet wird eine Zunahme von Hochwasserereignissen insbesondere im Winterhalbjahr.

Gletscherschwankungen hat es immer gegeben, doch befänden wir uns nun, so das Ergebnis einer Zeitreihenanalyse über die letzten 15000 Jahre, „an der Grenze der bisher stärksten, beobachteten Rückzüge“. In den sensibelsten Bereichen mittlerer Höhe (hochgelegene Gebiete können die Erwärmung abfangen) wird bei einer Zunahme der europäischen Mitteltemperatur um 1 Grad C eine Verringerung der Schneedecke um ca. 4 Wochen im Winter und 6 Wochen im Frühling prognostiziert. Die ökonomischen Auswirkungen auf den Wintertourismus werden für die Schweiz mit 15 - 19 Mia. Schilling jährlich beziffert. Eine österreichische Studie nennt zwar keine Zahlen, kommt aber zum Schluß, daß Ausfälle in den niedriger gelegenen Wintersportorten kurzfristig zwar von den höher gelegenen ausgeglichen werden könnten (abgesehen von den strukturellen Problemen in den Krisenregionen), langfristig sei jedoch „der klimasensible Wintertourismus bei Erwärmung nicht aufrechterhaltbar“. H.H.

Formayer, Herbert; Nefzger, Helga; Kromp-Kolb, Helga: Auswirkungen möglicher Klimaänderungen im Alpenraum. Eine Bestandsaufnahme.  Im Auftrag von Greenpeace Österreich. Institut für Meteorologie und Physik der BOKO, Wien 1998. 57 S. (Eine Zusammenfassung enthält die Greenpeace-Publikation „Die Alpen im Treibhaus“. Wien, Eigenverl. 1998. 32 S., DM 13,80 / sFr 13,50 / öS 100,-