Über die Gefährlichkeit radioaktiver Strahlung gibt es von unbedenklich bis todbringend - ein breites Spektrum an Einschätzungen; speziell der Niedrigstrahlung wurde bisher meist geringe Schädlichkeit attestiert. Die Autoren legen gegen diese Behauptungen Beweise dafür vor, dass die durch Atomkraftwerke, militärische Anlagen und Atomtests freigesetzte Niedrigstrahlung immer eine hohe Zahl zusätzlicher Todesfälle zur Folge hatte. Anhand amtlicher Sterberegister, die jeweils nach einem schweren Fallout angelegt wurden, untersuchen die Autoren die Dosiswirkung. Im Falle von Tschernobyl kommen sie dabei zu einer drastisch erhöhten Sterblichkeit, der vermutlich 40000 Menschen zum Opfer fielen; in Three Mile Island (1979) und Savannah (1970) waren es jeweils 50000 bis 100000 . Betroffen sind vorwiegend sehr junge und alte Menschen. Beweise werden auch für amtliche Vertuschungen und Fälschungen wichtiger Daten beigebracht: Das Unglück am Savannah wurde 18 Jahre geheimgehalten. Weiters stellen die Autoren einen interessanten Zusammenhang fest: während der Atombombentests in der Atmosphäre zwischen 1950 und 1965 ist die Sterblichkeitsrate trotz Fortschritte im Gesundheitswesen gleichgeblieben. Sie änderte sich erst, als diese Versuche eingestellt wurden. Auch auf die Verbindung von Niedrigstrahlung und dem ersten Auftreten von Aids sowie anderer Krankheiten wird verwiesen. Schließlich werden in diesem düsteren Kontext auch positive Akzente gesetzt: Wyoming und Montana sind Gebiete, denen die "Segnungen" des Atoms erspart blieben. Dort lag die Säuglingssterblichkeit 1987/88 wesentlich (42 bzw. 30%) unter dem US-Durchschnitt. Alfred Auer

Gould, Jay M.; Goldman, Benjamin A: Tödliche Täuschung Radioaktivität. Niedrige Strahlung - hohes Risiko. München: Beck, 1992. 265 S. (Beck'sche Reihe; 441) DM 24,- / sFr 20,30 / öS 187,20