Der Band stellt Theorie und Praxis eines kooperativen Ansatzes zur Bearbeitung struktureller Probleme des Ruhrgebiets am Beispiel zweier Projekte dar, die seit Ende der 70er Jahre von der Stadt Essen, der dortigen Universität - Gesamtschule sowie der Arbeiterwohlfahrt gemeinsam getragen werden. Der Theorie-Teil behandelt die Umstände der Projekt-Entstehung, das Konzept stadtteilbezogener sozialer Arbeit allgemein, die studentische Ausbildung als Teil und im Rahmen der Projektarbeit, Entwicklung und Stand der Kooperation zwischen den Trägern. Den größten Raum nimmt dabei der Versuch einer Neubestimmung des Berufsprofils ein, dem Sozialarbeiterinnen entsprechen müssen, wenn sie stadtteilbezogen operieren wollen. Zu den anzustrebenden Grundsätzen und Kompetenzen zählt u.a. die Förderung des Selbsthilfepotentials der Betroffenen, die "sich an den Stärken der Menschen und nicht vorrangig an ihren Defiziten orientiert". Die Praxis-Schilderungen berichten über die Projektarbeit in zwei Essener Stadtteilen mit hoher Konzentration ehemaliger Notunterkunftbewohnerlnnen und wachsenden Spannungen zwischen Deutschen und Türkinnen. Angenehm berühren Ehrlichkeit und Freimut, mit denen Möglichkeiten und Situationen des Scheiterns einbekannt werden, sowie das Misstrauen gegenüber "großen" (und oft leeren) Parolen. Letzteres nimmt den "abstrakten Blödsinn" der prinzipiellen Verteufelung des Verwaltungsapparates genauso aufs Korn wie "die philantropische Verbrüderungslyrik von Sozialerbeiterinnen", die in den meisten konkreten Alltagskonflikten wenig hilft. 

Zwischen Sozialstaat und Selbsthilfe. Stadtteilbezogene soziale Arbeit als Handlungsansatz in beruflicher Praxis und studentischer Ausbildung. Institut für Stadtteilbezogene Soziale Arbeit und Beratung (Hrsg.): Essen: Klartext, 1989.2395., DM 24,80/ sFr 22,- / ÖS 193,40