Hauptziel der 1992 eingesetzten, von allen im Bundestag vertretenen Parteien beschickten und durch von den Fraktionen vorgeschlagene "sachverständige" Mitglieder aus Wissenschaft, Industrie und Gewerkschaften ergänzten Kommission "Schutz des Menschen und der Umwelt" ist es, "Leitbilder für eine umwelt- und gesundheitsverträgliche Gestaltung der Stoffströme und -kreisläufe in der Industriegeseilschaft" zu erarbeiten, ohne dabei die nachholende Entwicklung der Wirtschaften in der Dritten Welt und die sich daraus ergebenden Chancen und Gefahren aus dem Auge zu verlieren. Der Festlegung der eher allgemein gehaltenen Leitbilder „Kreislaufwirtschaft", "produktions- und produktintegrierter Umweltschutz", "ökologisches Design" sowie „Produktlinienoptimierung" folgt die Erarbeitung und Bewertung konkreter Instrumente zur Realisierung dieser Ziele.

Ausgehend von der Überlegung, dass Produkte die wesentlichen "Emissionen in der Industriegesellschaft" darstellen stehen dabei Ökobilanzen, Stoffstrom- und Produktlinienanalysen im Mittelpunkt. Dort, wo es konkret wird, werden - und das macht den Bericht interessant - Auffassungsunterschiede und Interessensgegensätze deutlich. Ein Beispiel: Während das "produktpolitische Programm" des Ökoinstituts verbindliche Analysen durch ein Gremium, in dem auch Umwelt- und Verbraucherverbände vertreten sind, und einen offenen Datenzugang fordert, möchte die Industrie Ökobilanzen nur als "freiwillige Maßnahme" der Unternehmen gelten lassen. Das "Zehn-Punkte-Programm des Umweltbundesamtes" plädiert für eine „Fortentwicklung der Ökobilanzen“, um auf der Basis verbesserter und konsensualer Bewertungsmethoden zu verbindlichen und transparenten Überprüfungen zu gelangen. Zwei Drittel des Berichtes umfassen beispielhafte Analysen, die von der Enquete-Kommission zum Gefahrenstoff Cadmium, zum problematischen Treibstoffgas Benzol, zu FCKW-Ersatzstoffen sowie zu den Bereichen Textilien/Bekleidung und Mobilität durchgeführt wurden.

Der Enquete-Bericht macht deutlich, dass der Ansatz einer umfassenden Bewertung aller in Umlauf befindlichen Stoffströme (diese werden ja noch immer komplexer) sehr arbeitsaufwendig ist und großer Mittel bedarf, so dass realistischerweise lediglich die als besonders gefährdend eingestuften Stoffe und Produktionsweisen derartigen Untersuchungen unterzogen werden. Er informiert über den noch lange nicht gefundenen gesellschaftlichen Konsens hinsichtlich der Verbindlichkeit von Ökobilanzierungen und zeigt damit auch die Grenzen empirischen Umweltschutzes auf, der jedenfalls der Ergänzung durch die Reflexion neuer kultureller Leitbilder bedarf.

H. H. 

Verantwortung für die Zukunft. Wege zum nachhaltigen Umgang mit Stoff- und Materialströmen. Hrsg. v. d. Enquete-Kommission "Schutz des Menschen und der Umwelt" d. deutschen Bundestages. Bonn: Economica-Verl., 1993. 332 S., DM 52,- / sFr 47,90/ öS 405,50