Die von Peter Heintz ins Leben gerufene "Stiftung Weltgesellschaft" will soziologische Forschung und breite Reflexion über das globale Zusammenrücken fördern. Der erste Band einer Reihe, die alle zwei Jahre fortgesetzt werden soll, enthält insgesamt elf Beiträge und gibt in Teil 1 übergreifenden Themen Raum. Der einleitende Forschungsbericht der Herausgeber differenziert kulturelle, politische und ökonomisch dominierte Betrachtungsweisen. M. Noller beschäftigt sich aus entwicklungspolitischer Perspektive mit dem Phänomen sozialer Ungerechtigkeit als Merkmal des Weltsystems. Er kommt u.a. zu dem Schluss, dass das Projekt der Modernisierung nur in wenigen Fällen auch soziale Ausgewogenheit zur Folge hat, so dass die Kluft zwischen Arm und Reich allenthalben wächst. Armut kurzfristig zu mindern ist daher wichtiger als die langwierige Veränderung sozialer Strukturen. Dem Wandel der politischen Weltordnung sowie dem Ausgleich von Nord und Süd im Sinne eines "last-best-hope-scenarios" sind weitere Überlegungen gewidmet, ehe in Teil 2 lateinamerikanische Themen zur Diskussion stehen. Eine Studie über den Zusammenhang von Weltwirtschaft und geopolitischer Lage am Beispiel Brasiliens und ein Strukturvergleich zwischen Südamerika und Australien seien hervorgehoben. Den Abschluss des Bandes bildet ein Essay über politische Dimensionen der Friedensforschung und ein Beitrag über die Verschuldung der Dritten Welt. Anregend und informativ durch den interdisziplinären Ansatz, ist die Reihe in erster Linie für Fachleute konzipiert; auf dem Weg zur Weltgesellschaft werden indes noch andere Orientierungshilfen unentbehrlich sein. 

World Society Studies. Ed. by Volker Bornschier a. Peter Lenyel. Frankfurt: Campus, 1990. 283 S. (Vol. 1) DM 68,-/ sFr 58,30 / öS 530,40