1.) Die erste Ausgabe von "Futures" bekundete die Absicht, v. a. ein Periodikum über Vorhersage zu sein. Vor 25 Jahren schien es noch möglich, bezüglich komplexer Systeme von Vorhersage der Zukunft zu sprechen. "Heute aber wäre dies naiv. Vielleicht sind wir gegenwärtig ein wenig weiser und vorsichtiger, und anstelle von Voraussicht oder Vorhersage denken wir eher darüber nach, wie wir Zukunftsstudien und Methoden verwenden können, um besser begründete Entscheidungen bei der Gestaltung des Wandels verfügbar zu haben."

2.) Das aktuelle Verständnis von Zukunftsstudien wurde kürzlich in einer Sonderausgabe mit dem Titel „The Knowledge Base of Future Studies" (FS-Annual 12723), erörtert, wobei das Argument vorgebracht wurde, dass Zukunftsforschung (future studies) (ZF) vor allem eine interdisziplinäre Methode sei. "Daneben gibt es jene, die diese Ansicht mit dem Argument widerlegen, dass ZF gar keine Disziplin sei, sondern der klassische Fall einer Mischung von Methoden (fuzzy set). Ich bin diesbezüglich der Ansicht, dass ZF einer Kirche zu vergleichen ist, in der vieles Platz findet.

3.) Nicht jeder kann ZF betreiben, es handelt sich dabei um eine komplexe und anspruchsvolle Angelegenheit, die Übung und Fähigkeiten voraussetzt. "Es ist daher eine anhaltende Enttäuschung, dass es so wenige Lehrgänge über ZF gibt."

4.) "Darüber hinaus müssen wir im Auge behalten, dass es zukunftsorientierte Aktivitäten gibt, die sich von dem unterscheiden, was wir ZF nennen, beispielsweise Visionen über die Zukunft, Fiktion, Philosophie, politische Aktivitäten usw."

5.) "Unabhängig davon, ob ZF für eine Methode gehalten wird oder nicht, ist es wichtig, dass sie innerhalb interdisziplinärer Politikwissenschaft ihren Platz findet." 

 

Kommentar:

1.) Der vorgeschlagene Wandel wird durch zahlreiche Beiträge in dieser Nummer des FS [ein umfassendes Kapitel ist methodischen Fragen der ZF gewidmet, W Sp.] unterstrichen. Das Problem ist, dass viele Außenstehende nach wie vor der naiven Ansicht sind, ZF sei gleichzusetzen mit Vorhersage oder Projektion der Zukunft (so z. B. FS # 94-294).

2.) Einsicht aus mehr als 15jähriger FS-Arbeit unterstützt die Ansicht, dass ZF, im besten Fall, ein „fuzzy set" ist. Mag sein dass ZF eine "breite Kirche" ist, aber nur wenige Aktive suchen sie auf, und viele fühlen sich anderen Glaubensgemeinschaften zugehörig.

3.) Es ist in der Tat enttäuschend, dass es so wenige Ausbildungsmöglichkeiten für ZF gibt. Vgl. dazu Prep 21 Couses/Program Guide, zusammengestellt von H. F. Didsburry Jr. (WFS, 1994), eine Zusammenstellung, die 19 Kurse und 5 Programme beschreibt, sowie. das Prep 21 Bulletin, ein überaus brauchbares Übersichtsorgan.

4) Leser des FS werden die Ansicht teilen, dass die Unterscheidung von ZF und zukunftsorientierten Aktivitäten tatsächlich ein großes Problem darstellt. Gehört alles, was in FS [und PRO ZUKUNFT, W Sp.] dargestellt wird, zur ZF? Falls nein, was doch?

5.) ZF sollte in der Tat der Politikwissenschaft übergeordnet, ein Teil von ihr oder ihr eingegliedert sein (vgl. FS # 94-294). Intellektuelles Zunftgehabe auf beiden Seiten hält sie jedoch säuberlich getrennt. Leserantworten zu den fünf Antworten [auch an und über PRO ZUKUNFT, W Sp] sind erwünscht.

(Übersetzung: W Sp.) 

Blackman, Colin: From Forecasting to Informed Choices. (Editorial) Futures. Vol. 26: 1 p. 3 Eine kurze Stellungnahme mit einigen wichtigen Beobachtungen