Im Gegensatz zu Zukunftsdenkern wie Robert Jungk oder Ossip K. Flechtheim, welche die Zukunft grundsätzlich für nicht vorhersehbar halten, geht Theodore Modis - er ist Strategieberater einer bekannten Computerfirma - davon aus, daß die Zukunft berechenbar ist, weil es ein Grundgesetz des natürlichen Wachstums gibt und dieses auch für die in einer Gesellschaft ablaufenden Innovationsprozesse Geltung hat. Er selbst zeigt sich beeindruckt vom "Grad an Vorhersagbarkeit, der sich ergibt. wenn man die Gesetzmäßigkeiten der natürlichen Wachstumsprozesse anwendet", und der Entdeckung, "daß die Gesellschaft ihre eigenen Gesetze hat, die man quantitativ erfassen und zuverlässig in die Zukunft extrapolieren kann".

Grundlage für Modis' Zuversicht sind sogenannte S-Kurven, mit denen er beispielsweise die zeitliche Wachstumsentwicklung von Populationen, die Anzahl gebauter Supertanker, in Betrieb genommener Teilchenbeschleuniger oder auch die kumulierte Anzahl von Kompositionen bei Mozart oder Brahms in Grafiken veranschaulicht. Alle diese S-Kurven beschreiben einen sechsundfünfzigjährigen Lebenszyklus: Geburt, kompetitives Wachstum, Reife, Rückgang und Tod.

Unter Anwendung seiner Methoden - den Schritten Beobachtung, Vorhersage, Überprüfung als Werkzeug der Vorhersage - glaubt sich Modis befähigt, in die Zukunft zu sehen und einen Teil der Entwicklung künftiger Generationen entwerfen zu können. Er prognostiziert für die Jahrhundertwende eine Periode schnellen Wachstums, der eine größere Zerstörung vorausgehen wird. Diese nimmt der Autor in der gegenwärtigen Umweltverschmutzung aus, die s. E. einem größeren Krieg gleichzusetzen ist. Im Entwurf des städtischen Lebens im nächsten Jahrhundert geht Modis von einem Schub von Innovationen in den 90er Jahren aus, etwa dem Ausbau der Luftverkehrswege und eben der Beseitigung von Umweltschäden. 

Auch wenn man nicht an die" Berechenbarkeit der Zukunft" glaubt, lohnt sich die Lektüre, die gleichermaßen verblüffende und faszinierende Ausblicke auf mögliche Zukünfte gewährt.

A. A.

Modis, Theodore: Die Berechenbarkeit der Zukunft. Warum wir Vorhersagen machen können. Basel (u.a.): Birkhäuser-Verl., 1994. 2805., DM 68,-/ sFr 58,-/ÖS 530,40