Die 1990 gegründete Peter F. Drucker Foundation für Nonprofit-Management trägt den Namen des "Vaters des modernen Managements" und ist durch ihn und seine Ideen inspiriert. Indem sie Angebote und Inhalte für die Aus- und Weiterbildung vermittelt, versucht die Stiftung, ihrer Zielsetzung gerecht zu werden, "Organisationen im sozialen Bereich zu professioneller Leistungsfähigkeit zu verhelfen". Im vorliegenden Band finden sich Beiträge von 46 Autorinnen, die in ihrem jeweiligen Bereich zu Vordenkerinnen oder erfahrenen Praktikerinnen gehören. Aus der Fülle der Beiträge können hier nur zwei näher erörtert werden.

Der Zukunftsforscher Joel A. Barker stellt "Das Mondragon-Modell" als Weg für das 21. Jahrhundert vor. Damit ist jene 1954 vom Jesuiten Don Jose Maria Arizmendiarreta und fünf jungen Männern gegründete Kooperative gemeint, die 1990 bereits 21.241 genossenschaftliche MitarbeiterInnen im ganzen Baskenland hatte. Bedeutsam ist aber nicht nur der expansive Erfolg der Kooperative, sondern vor allem deren Prinzipien, die sich zuletzt dadurch bewährt haben, daß während der weltweiten Rezession zu Beginn der achtziger Jahre im Baskenland 150.000 Arbeitsplätze verlorengingen, die Mondragon-Kooperative aber 4.200 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen konnte. Barker betont, daß das Mondragon-Modell eine Alternative zu gewohnt gewöhnlichen kapitalistischen Wirtschaftsstrukturen darstellt, weil Machtstrukturen (das radikal demokratisch-genossenschaftliche Prinzip), Finanzstrukturen (Mondragon hat eine eigene Bank; die Mitarbeiterlnnen, GenossenschafterInnen sind am Unternehmen beteiligt), Ausbildung (Mondragon betreibt eine eigene Aus- und Fortbildungsstätte, die in direktem Austausch mit den Wirtschaftsbetrieben steht) und das Lohnsystem (Maximalverhältnis der Höchst- zu den Mindestlöhnen 15:1; zum Vergleich der US-Durchschnittswert: 115:1) alternativ geregelt und entwickelt werden. Nach Ansicht Barkers demonstriert Mondragon "eindeutig, daß nur menschliche Wesen in der Lage sind, dem Kapital einen Wert zu geben, und niemals umgekehrt!"

Paul Hersey und Dewey E. Johnson, beide erfahrene Management-Trainer, befassen sich mit kontextorientierter Führungskompetenz in multikulturellen Organisationen, wobei sie vom Konzept des ”Situational leadership" ausgehen, das mittlerweile seit mehr als 30 Jahren in 128 Ländern angewendet worden ist: Dabei werden Führungsstile (Aufgaben bezogenes Anleiten, beziehungsorientierte Motivation) und Bereitschaftsverhalten der Mitarbeiterinnen (Qualifikationen, Fähigkeiten, Motivation, Disziplin usw.) in Beziehung gesetzt. Thematisiert wird von den Autoren vor allem die Relevanz kultureller Paradigmen für die konkrete Situation, in der eine Führungskraft steht. Investment-Banker in New York City werden Hilfestellungen auf eine andere Weise leisten als etwa Führungskräfte einer Genossenschaft in Kalifornien, ein Dezernent in Deutschland wird seine Mitarbeiterinnen anders motivieren und leiten müssen als ein Fischgroßhändler in Tokio.

Insgesamt ist dieses Konvolut - natürlich - ein amerikanisches Buch: optimistisch zielorientiert, zukunftssicher; aber es werden auf hohem Niveau sehr vielfältig Fragen angesprochen, die für Führungskräfte und engagierte MitarbeiterInnen in wirtschaftlichen Unternehmen und sozialen Organisationen entscheidend sein werden!

P.A.

The Drucker  Foundation - Organisation der Zukunft. Neue Orientierungen für Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft. Hrsg. v. Frances Hesselbein ...Düsseldorf (u.a): Econ-verl, 1998.476 S.,DM 58, - I sFr 52,50  l öS 423