Ein typisch US-amerikanisches Buch legt der bekannte Technologieprognostiker Daniel Burrus mit den „Technotrends" vor. Zum einen will er nämlich seine Landsleute ermutigen, nicht zu resignieren und den Kampf um die wirtschaftliche Vormachtstellung wiederaufzunehmen. Zum anderen wählt er für die Präsentation seiner Ideen eine spielerische Form, die mit vielen ermutigenden Erfolgsbeispielen gewürzt ist und so alle Mitspieler anspornen soll. Europäische Leser müssen sich also zunächst auf diese Art der Darstellung einstellen und dürfen sich nicht von der emphatischen Vortragsweise abschrecken lassen. Wer sich auf das Buch einlässt, kann jedoch sicher viel profitieren.

Vier Männer und drei Frauen aus unterschiedlichen Berufen und mit verschiedenen Problemen treffen sich zum Kartenspiel mit dem Autor, der seine 24 neuen Instrumente für das 21. Jahrhundert auf jeweils einer Spielkarte dargestellt hat. Aufbauend auf den zwanzig Kerntechnologien der Zukunft will Burrus seine Mitspieler zur Überflügelung der Konkurrenz befähigen, ja das Konzept des Wettbewerbs an sich überwinden. Dies soll durch beständige Innovation gelingen: Während nämlich Wettbewerber ihre kurzfristigen Probleme bewältigen müssen, ist für Innovatoren die Gegenwart lediglich eine Zwischenstation in eine bessere Zukunft.

Immer wieder verblüfft der Autor seine Mitspieler (und die Leser) mit zunächst unglaublichen Behauptungen, die zu Widerspruch Anlass geben. So kann seiner Ansicht nach selbst der Einsatz der richtigen Technologie zur richtigen Zeit zu einem Misserfolg führen, wenn nicht alle "vier Gesetze für die erfolgreiche Einführung einer neuen Technologie" berücksichtigt werden. Burrus strebt die "Integration von Technik und Mensch für die Erreichung unserer Idealziele" an, überlässt die Auswahl der Ziele allerdings den handelnden Personen. Zwar bezeichnet er die Rüstungsindustrie als unsinnig und auf der altmodischen Rivalität zwischen Supermächten beruhend. Andererseits führt er bei den Zukunftstechnologien die Gentechnik an, ohne sie weiter zu diskutieren.

Auch sein Menschenbild bleibt anzweifelbar: Ihm zufolge hängen wir alle ständig an Pagern und Mobiltelefonen, und sollten uns mindestens pro Woche eine Stunde lang Ruhe gönnen, allerdings nur, um sein Kartenspiel zu spielen. Optimistischer stimmt da schon, dass der Autor selbst am liebsten komponiert, fotografiert oder auf Reisen geht. Wozu seine Technologien also eingesetzt werden, bleibt jedem selber überlassen.

R. M. 

Burrus, Daniel; Gittines. Roger: Technotrends. 24 Technologien, die unser Leben revolutionieren werden. Wien: Ueberreuter, 1994. 483 S., DM 58,- / sFr 53,40/ öS 453