Bekannt geworden durch die Proteste in Seattle Ende 1999 anlässlich der dritten Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO), ist der Widerstand gegen den „Raubkapitalismus und die unbegrenzte transnationale Tyrannei der Konzerne“ inzwischen eine weltweite neue soziale Bewegung geworden. Diese Anti-Globalisierungsbewegung zeichnet sich v. a. durch „die Suche nach Wiedergewinnung der Kontrolle über die unmittelbaren Lebensbedingungen“ aus (S. 19). Maria Mies, eine der ersten Streiterinnen gegen die Globalisierung möchte diese Bemühungen, durch die bereits das Multilaterale Abkommen für Investitionen (MAI) verhindert werden konnte, auch hierzulande besser bekannt machen.

In einer Chronologie der Proste von Seattle (30.11.1999) bis Prag (26.9.2000) geht die Autorin auch auf die historischen und theoretischen Grundlagen des Neoliberalismus, seine institutionellen Vertreter und die Folgen ihrer Politik ein.

Selbst die UCTAD (United Nations Conference on Trade and Development) – so einer der Befunde   hat 1997 festgestellt, dass die Globalisierung in ihrer jetzigen Form für einen dramatischen Anstieg der Ungleichheit in der Welt verantwortlich ist: „Die oberen 500 Firmen aus den USA, der EU und Japan kontrollieren über zwei Drittel des Welthandels.“ (S. 84) Nicht zuletzt werden durch sogenannte Strukturanpassungsprogramme (SAPs) den kreditsuchenden Ländern Konditionen auferlegt, „durch die sie ihre Wirtschaft in die Richtung einer wachstumsorientierten, offenen Marktwirtschaft ‚reformieren’ sollen“.

Der Protest gegen MAI, WTO, Weltbank und IWF führt, wie die Anti-Globalisierungsstreiterin überzeugend nachweist, notwendigerweise zu einer Auseinandersetzung darüber, welche Wirtschaft, welche Gesellschaft und welche Politik die Menschen stattdessen wollen. Als mögliche Strategien werden u. a. genannt: Wiedereinführung von Kapitalverkehrskontrollen, die Möglichkeit der Kontrolle durch „Global Governance“ im Sinne einer grundlegenden Reform der UNO, Abschaffung der weltweiten Tyrannei der transnationalen Konzerne (Susan George) oder Ansätze zum Aufbau attraktiver – nicht allein wachstumsorientierter – ökologischer, kooperativer, lokaler, kommunaler oder regionaler Wirtschaften. Den Aufbau lokaler Nahrungssysteme – spätestens seit den ersten BSE-Fällen hat sich gezeigt, dass es in großen Wirtschaftsräumen keine Lebensmittelsicherheit gibt – verfolgt etwa die Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Helena Norberg-Hodge. Maria Mies selbst hat zusammen mit Veronika Bennholdt-Thomsen und Claudia von Werlhof die sogenannte Subsistenzperspektive entwickelt, die eine grundsätzliche Neubestimmung des Wirtschaften und eine Neudefinition dessen anstrebt, was unter „gutem Leben“ zu verstehen ist. A. A.

Im Anhang finden sich Dokumente, Termine internationaler Treffen und Aktionen (2000-2001) sowie Kontaktadressen. Einen aktuellen Diskussionsbeitrag zur Krise der Landwirtschaft und die Forderung nach einer Lebensmittelproduktion, die sich auf die Region beschränkt, liefert die emeritierte Professorin für Soziologie in:

Rinderwahn durch Wirtschaftswahn. In: taz nrw. 5. 4. 2001, Nr. 47, S. 3

Mies, Maria: Globalisierung von unten. Der Kampf gegen die Herrschaft der Konzerne. Hamburg: Rotbuch-Verl., 2001. 254 S., DM 34,- / sFr 31,50 / öS 248,-