Jetzt ist es also wirklich ernst. Überschwemmungen apokalyptischen Ausmaßes in Pakistan, riesige Waldbrände in Russland, Wirbelstürme in Deutschland, Unwetter und Wetterextreme in den Alpen, das sind die wohl aktuell sichtbarsten Zeichen des Klimawandels. Der Ullmann-Verlag hat vor diesem Hintergrund, herausgegeben von Günther Michler, ein höchst beeindruckendes Buch zur Versachlichung des Themas herausgegeben. Illustriert mit vielen Bildern, Karten und Grafiken werden nicht nur wesentliche Erkenntnisse zum Thema Klima und Klimawandel zusammengefasst, sondern aktuelle Fakten und Zahlen benannt. Die Darstellung reicht von der Klimageschichte über die aktuelle Klimaforschung, ihren Methoden, Möglichkeiten und Grenzen bis hin zu kurz- und mittelfristig umsetzbaren Zukunftsszenarien.

 

Der Herausgeber macht im Vorwort klar, dass bei Berücksichtigung aller Unsicherheiten und Kontroversen die negative Wirkung der anthropogenen Treibhausgase eindeutig nachgewiesen ist. Fundierte Prognosen lassen je nach Szenario eine globale Erwärmung von 2-6 Grad C erwarten. Damit steht außer Zweifel, dass der Mensch seit der Industrialisierung selbst zum „Klimafaktor Nummer eins“ geworden ist und (siehe M. Latif) ein Experiment mit ungewissem Ausgang gestartet hat.

 

Wie wenig bisher auf dem Feld der Klimapolitik geschah, zeigt Wolfang Blümel anhand verschiedener internationaler Kongresse und der Tatsache, dass der Klimawandel und seine anthropogenen Ursachen heute weitgehend Konsens sind. Um mögliche Wege seiner Bekämpfung toben heftige Debatten. Blümel betont, das Klimaschutz eigentlich Aufgabe der Weltgemeinschaft wäre, dass aber widerstreitende Interessen und schwer einzuschätzende Faktoren die Klimapolitik zu einem extrem schwierigen Politikfeld machen. (vgl. S. 251)

 

Spätestens seit der von Nicholas Stern 2006 veröffentlichten Studie setzt sich in der Debatte mehr und mehr die Einsicht durch, dass auch die Wirtschaft Wege finden muss, um den Klimawandel einzudämmen. Zu den großen Herausforderungen der Klimapolitik gehört für Blümel das Ungleichgewicht zwischen armen und reichen Ländern. „Einen Ausgleich einzuleiten zwischen Reich und Arm ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit und Humanität, eine Frage auch der Menschenrechte , sondern für die reichen Länder durchaus auch eigennützig, denn er hilft, Frieden und internationale Sicherheit zu erhalten.“ (S. 259) Und es besteht kein Zweifel, dass es die ärmeren am meisten treffen wird. Nicht zuletzt spricht der Autor über die zukünftigen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels und befürchtet, ähnlich wie Harald Welzer, Ressourcenkonflikte im globalen Maßstab. „Klimakriege werden entstaatlicht und grenzüberschreitend sein, in der Hand privatwirtschaftlicher ‚Gewaltmärkte’ und voraussichtlich auf Dauer angelegt.“ (S. 217)

 

Was können wir tun?

 

Nach so viel düsteren Befunden weist ein letzter Blick auf die Möglichkeiten zur Minderung von Treibhausgasemissionen. Neben den vielfach genannten Maßnahmen (Flugreisen vermeiden, weniger Auto fahren, Einsatz von Energiesparlampen, Abschalten von Stand-by-Geräten, Verringerung der Raumtemperatur, Ernährungsgewohnheiten u. a.) sind es weitere Vorschläge zum Energiesparen (Elektrogeräte austauschen, Ökostrom nutzen, Recyclingpapier verwenden), die zum Klimaschutz beizutragen können.

 

Kurzum: Eines der besten Bücher zum Thema, das viele Vorzüge –  sachliche Darstellung, übersichtliche und verständliche Aufbereitung – aufs vorteilhafteste verbindet. Die Menschen werden nicht verurteilt, sondern dazu angeregt, sich nicht nur eine Meinung zu bilden, sondern auch entsprechend zu handeln. A. A.

 

Klimaschock. Ursachen, Auswirkungen, Prognosen. Hrsg. v. Günther Michler. Potsdam: Ullmann-Verl., 2010. 319 S., € 29,95 [D], 30,90 [A], sFr 49,90

 

ISBN 978-3-8331-5467-6