Die Autoren beschreiben Fundamentalismus als ein weltweites Phänomen, als ein Glaubens- und Verhaltensmuster, das während der letzten 25 Jahre in allen großen Weltreligionen zum Vorschein gekommen ist und in den 90er Jahren deutlich an Einfluß gewonnen hat. In fünf Kapiteln werden die wesentlichen Eigenschaften des Fundamentalismus diskutiert, und seine Manifestationen anhand unterschiedlicher Gruppierungen in drei verschiedenen Ländern - in den USA, Israel und Ägypten - dargestellt. Dabei lassen sich innerhalb der verschiedenen religiösen Traditionen gemeinsame Wesensmerkmale explizieren, die diesen Bewegungen zugrunde liegen. So stehen fundamentalistische Strömungen in der Regel charismatische Persönlichkeiten vor - wie der Amerikaner Randall Terry der christlichen Anti-Abtreibungsbewegung Operation Rescue, oder Daniela Weiss als Sprecherin der radikalen jüdischen Siedlerbewegung Gush Emunim -, in denen die Grundwerte und Verhaltensmuster der Bewegungen verkörpert sind. Desweiteren versuchen Fundamentalisten ihre "unverwechselbare Identität als Volk oder Gruppe zu bewahren", indem sie diese durch eine "selektive Wiederbelebung" von Doktrinen, Glaubensvorstellungen und Praktiken "aus einer intakten, heiligen Vergangenheit" festigen. Diese wiederentdeckten “Fundamentals " werden ausdifferenziert und mit großer Autorität weitergegeben. Auf diese Weise wird ein rigoroser sozialer und moralischer Code entwickelt, der von allen Mitgliedern und Sympathisanten eingehalten wird. Es gibt allerdings auch "substantielle Unterschiede" zwischen den verschiedenen Bewegungen. So lassen sich" interventionistische Fundamentalisten", wie zum Beispiel Gusch Emunim oder die Operation Rescue, die eine umfassende Neuorientierung und Neugestaltung der Gesellschaft bezwecken, von muslimischen Fundamentalisten verschiedenster Couleur unterscheiden, die die Wiedererschaffung der islamischen Welt propagieren und die Schari'a (islamisches Gesetz) als ausschließliche legale Grundlage der Gesellschaft durchsetzen wollen. In einem Epilog warnen die Autoren aber vor unbegründeter Hysterie und erinnern daran, daß die Zahl der Dialogbereiten die der Fundamentalisten selbst an den Brennpunkten der Auseinandersetzung weit übersteigt. So muß das Ziel ein ständiger Austausch mit fundamentalistischen Gruppierungen sein, und nicht ihre Denunziation a priori. M.K. 

Marty, Martin E.; Appleby, R. Scott:  Herausforderung Fundamentalismus. Radikale Christen, Moslems und Juden im Kampf gegen die Moderne. Frankfurt/M. (u.a.): Campus, 1996. 262 S.